Morbus Dupuytren ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes in der Hohlhand. In der Faserplatte der Handinnenfläche bilden sich Knoten und daraus derbe Stränge. Sie ziehen einzelne Finger langsam in die Beugung und hindern sie schließlich an der Streckung. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber gut behandelbar — und nicht lebensbedrohlich.
Viele Patienten erkranken an Sonderformen, an ungewöhnlichen Stellen außerhalb der Greiffläche der Hand. Über diese Sonderformen bei Morbus Dupuytren berichte ich in einem eigenen Abschnitt.
Grundsätzlich handelt es sich um eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes in der Hohlhand. Anders als vielfach angenommen entsteht die Fingerkrümmung nicht durch verkürzte Beugesehnen. Die Sehnen sind an der Erkrankung gar nicht beteiligt. Verantwortlich ist zusätzliches Gewebe, das in der Faserplatte der Handinnenfläche (der Palmaraponeurose) heranwächst und die Streckung der Finger zunehmend hemmt.
Manchmal bleibt die Erkrankung nicht auf die Hohlhand beschränkt, sondern greift auf die Finger über. Dort gibt es keine Palmaraponeurose mehr — es erkrankt ein ähnliches, feiner gebautes Fasergewebe, die Digitalfaszien oder umgangssprachlich Fingerfaszien.
Am Anfang steht meist ein tastbarer Knoten, der sich oft zufällig und ohne Schmerzen bemerkbar macht. Aus ihm kann mit der Zeit ein derber Strang entstehen. Er zieht über die Gelenke hinweg und hält den Finger wie eine Fessel in der Beugung. Wie rasch — und ob überhaupt — die Erkrankung fortschreitet, ist sehr unterschiedlich. Sie kann über Jahre unverändert bleiben.
Unter dem Mikroskop ähneln diese Knoten einer Bindegewebswucherung; man kann sie als kleinen, gutartigen Tumor verstehen. Morbus Dupuytren ist weder bösartig noch lebensbedrohlich. Er kann die Hand aber in ihrer Funktion erheblich einschränken.
→ Mehr dazu: Woher der ungewöhnliche Name stammt — „Guillaume Dupuytren – wer war der Mann hinter dem Morbus Dupuytren?“
Das erste Zeichen ist fast immer ein tastbarer Knoten in der Hohlhand. Meist sitzt er in Höhe der Grundgelenke von Ring- und Kleinfinger, wo die Erkrankung am häufigsten auftritt. Dieser Knoten ist zunächst meist schmerzlos und wird deshalb oft nur zufällig entdeckt. Erst wenn daraus ein Strang über ein Gelenk zieht, entsteht die typische Streckhemmung. Der Finger lässt sich dann nicht mehr vollständig geradestrecken.

Wer die Handfläche zum Beispiel nicht mehr flach auf eine Tischplatte legen kann, hat bereits eine relevante Streckhemmung. Spätestens dann sollte man fachärztlichen Rat einholen.
Um das Ausmaß zu beschreiben, teilt man die Erkrankung in Stadien ein. Gebräuchlich sind die Einteilungen nach Tubiana und nach Vernon Luck. Tubiana beschreibt den Grad der Beugekontraktur, Luck den Entwicklungsstand von Knoten und Strang. Für die Behandlungsentscheidung ist das Stadium allerdings nur ein Gesichtspunkt unter mehreren. Entscheidend ist immer auch, wie stark die Hand im Alltag eingeschränkt ist.
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Die genaue Ursache des Morbus Dupuytren ist nicht abschließend geklärt. Im Vordergrund steht eine erbliche Veranlagung. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf und ist in Nord- und Mitteleuropa besonders verbreitet. Daher rührt der volkstümliche Name „Wikinger-Krankheit“. Außerdem tritt sie mit zunehmendem Alter häufiger auf, und Männer sind öfter und meist ausgeprägter betroffen als Frauen.
Darüber hinaus werden verschiedene Begleitumstände diskutiert, etwa Diabetes mellitus, Epilepsie beziehungsweise deren Behandlung, Alkohol und Rauchen. Hier ist Vorsicht geboten: Ein statistischer Zusammenhang bedeutet noch keine Ursache. Vieles davon ist eine Beobachtung, kein bewiesener Auslöser. Zudem lässt sich der Beginn der Veränderungen beim einzelnen Patienten fast nie auf ein konkretes Ereignis zurückführen. Wie belastbar diese Zusammenhänge tatsächlich sind, hat eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse untersucht (Broekstra et al., Plastic and Reconstructive Surgery, 2018).
Eine besondere Beobachtung betrifft Operationen an der Hand: Gelegentlich zeigt sich ein Morbus Dupuytren erstmals nach einem Eingriff wie der Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms oder eines schnellenden Fingers — auch bei Menschen, die zuvor nie Beschwerden hatten. Man erklärt sich das vor allem über die Reizung der Faserplatte und die Mechanismen der Wundheilung.
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Der Verlauf ist von Patient zu Patient sehr verschieden und lässt sich daher kaum vorhersagen. Bei manchen bleibt es über Jahre bei einem einzelnen Knoten, der sich nie weiterentwickelt; bei anderen entsteht rasch ein Strang mit deutlicher Kontraktur.
Der Motor dieser Entwicklung ist eine besondere Bindegewebszelle, der Myofibroblast. Anders als gewöhnliche Bindegewebszellen kann er sich zusammenziehen — eine Eigenschaft, die der Körper sonst bei der Wundheilung nutzt, um einen Defekt zu verkleinern. Beim Morbus Dupuytren aber gibt es keine Wunde: Die Zellen bauen dennoch Zugspannung auf, der Knoten beginnt zu schrumpfen, und diese Spannung überträgt sich auf die Faserplatte, die daraufhin mit immer mehr Kollagen antwortet. So entsteht aus dem Knoten schließlich der derbe Kontrakturstrang.
Diese Zugspannung erklärt zugleich, warum unkontrolliertes Dehnen kontraproduktiv sein kann: Es steigert den Längszug im Strang. Bemerkenswert ist jedoch die Gegenrichtung. Nimmt man die Spannung aus dem Gewebe — etwa durch eine Nadelfasziotomie —, kann sich verhärtetes Gewebe teilweise zurückbilden. Man kann sich das wie Sandsäcke auf einem Deich vorstellen. Bei Hochwasser werden sie aufgeschichtet, sinkt das Wasser, trägt man sie wieder ab. Ebenso baut der Körper überflüssige Kollagendepots ab, sobald die Spannung fehlt: „Rückbildung nach der Nadelfasziotomie – warum sich das Gewebe zurückbildet„.
Ein Sonderfall sind jüngere Patienten. Beginnt die Erkrankung früh, verläuft sie oft aktiver — was die Behandlungsstrategie beeinflusst.
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In den allermeisten Fällen ist Morbus Dupuytren nämlich eine Blickdiagnose. Ein erfahrener Handchirurg erkennt Knoten und Stränge schon durch Betrachten und Betasten der Hand und kann daraus gut einschätzen, welche Strukturen betroffen sind. Bildgebende Verfahren wie MRT, Ultraschall oder CT sind für die Diagnose in der Regel nicht nötig und bleiben besonderen Fragestellungen vorbehalten.
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Morbus Dupuytren lässt sich wirksam behandeln — das Ziel ist stets, den Finger wieder streckbar zu machen und die Handfunktion zurückzugeben. Welches Verfahren im Einzelfall passt, hängt von Ausmaß, Lage und Verlauf ab, außerdem auch von persönlichen Vorlieben. Ein Überblick über die wichtigsten Wege:
Perkutane Nadelfasziotomie (PNF) — ein minimalinvasives Verfahren, bei dem der Strang mit einer feinen Nadel durchtrennt wird, ohne die Haut zu eröffnen. → Mehr erfahren: „Perkutane Nadelfasziotomie„
Operative Entfernung (Fasziektomie) — bei ausgeprägten oder wiederkehrenden Befunden wird das erkrankte Gewebe operativ entfernt; je nach Situation von der limitierten über die segmentale bis zur Dermofasziektomie. → Mehr erfahren: „Behandlungen bei Morbus Dupuytren„
DPT-Orthese und Zug-/Streckbehandlung — die schrittweise Streckung über Zug, insbesondere bei fortgeschrittenen Befunden.
→ Mehr erfahren: "DPT-Orthese"
Nachbehandlung und Ergebnissicherung — was nach dem Eingriff wichtig ist, um das Ergebnis zu halten.
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Nicht der gemessene Winkel allein entscheidet, sondern die Frage, wie sehr die Hand im Alltag stört. Solange sich die Hand flach auflegen lässt und keine wesentliche Einschränkung besteht, kann ein abwartendes Beobachten sinnvoll sein. Lässt sich die Hand nicht mehr flach ausbreiten oder behindert die Kontraktur Greifen und Alltag, ist der Zeitpunkt gekommen, die Optionen zu besprechen.
Gerade weil sich frühzeitig behandeltes Gewebe oft schonender angehen lässt, lohnt es sich, den richtigen Moment nicht zu verpassen — ohne umgekehrt vorschnell zu handeln, wenn die Erkrankung ruht.
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Weil Morbus Dupuytren nicht heilbar ist, kann die Erkrankung nach einer erfolgreichen Behandlung erneut auftreten — das ist keine Komplikation, sondern liegt in der Natur der Veranlagung. Wie hoch das Rückfallrisiko ist, unterscheidet sich zwischen den Verfahren. Eine sorgfältige Nachbehandlung trägt dazu bei, das erreichte Ergebnis möglichst lange zu sichern.
Wichtig ist die Unterscheidung: Tritt die Erkrankung im bereits behandelten Bereich erneut auf, spricht man von einem Rezidiv. Zeigt sich dagegen ein neuer Strang in einem zuvor nicht betroffenen Abschnitt der Hand, handelt es sich um ein Fortschreiten der Grunderkrankung — wie im folgenden Beispiel einer vor Jahren an anderer Stelle operierten Hand.

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Morbus Dupuytren ist eine anspruchsvolle Erkrankung — besonders im Bereich der Finger, wo Stränge und Nerven täuschend ähnlich aussehen und eng beieinanderliegen. Erfahrung und Spezialisierung sind hier von echtem Wert: Sie entscheiden mit darüber, welches Verfahren gewählt wird und wie sicher der Eingriff verläuft.
Zu mir kommen Patientinnen und Patienten nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland. Wer eine weite Anreise plant, kann vieles im Vorfeld über die Videosprechstunde klären — eine erste fachliche Einschätzung, bevor überhaupt ein Termin vor Ort nötig wird.
Viele wiederkehrende Patientenfragen zu Ursachen, Auslösern, Strahlentherapie und minimalinvasiver Operation habe ich in einer Übersicht mit Live-Fragen zu Ursachen und Behandlung zusammengefasst.
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Warum Erfahrung und Spezialisierung wichtig sind — Was ist ein Experte?
Den richtigen Handchirurgen finden
Die Deutsche Dupuytren-Gesellschaft
Aufklärung, Einwilligung und gemeinsame Entscheidung
Termin anfragen: "Terminanfrage"
Ist Morbus Dupuytren heilbar? Nein. Die Veranlagung bleibt bestehen, die Erkrankung kann wiederkommen. Die Beugekontraktur lässt sich aber in aller Regel wirksam beheben, sodass der Finger wieder streckbar wird.
Ist Morbus Dupuytren gefährlich oder bösartig? Nein. Es handelt sich um eine gutartige Bindegewebswucherung. Sie ist nicht lebensbedrohlich, kann die Hand aber in ihrer Funktion einschränken.
Muss man sofort operieren? Nein. Solange keine wesentliche Einschränkung besteht, ist abwartendes Beobachten oft vertretbar. Entscheidend ist die Beeinträchtigung im Alltag, nicht der Winkel allein.
Hilft Dehnen gegen die Stränge? Unkontrolliertes Dehnen kann die Erkrankung eher fördern, weil es die Zugspannung im Strang erhöht.
Wo kann ich mich informieren? Eine gute Möglichkeit ist der Patientenratgeber Morbus Dupuytren, den ich gemeinsam mit Dr. Wach geschrieben habe. In diesem Beitrag stelle ich das Buch vor.
→ Alle Beiträge zu Ursachen, Verlauf und Behandlung finden Sie in der Infothek. Alle Fragen: "FAQ"