Sie haben die Morbus Dupuytren und bemerken zum ersten Mal, dass sich ein Fingergelenk nicht mehr ungestört strecken lässt. Wenn Sie mit solchen Anfangssymptomen zum Arzt gehen, hören Sie vielleicht: „Warten Sie ab, kommen Sie wieder, wenn es deutlich schlechter geworden ist – dann kann man operieren.“ Doch der Grad der Kontraktur, also der reine Winkelgrad der Streckblockade, mag zur Stadieneinteilung hilfreich sein. Aber er sagt für sich genommen noch nicht, welche Behandlung sinnvoll ist. Ebenso wichtig ist, welche Form und Beschaffenheit Ihr Befund angenommen hat.
Die Vorstellung, erst bei einer bestimmten Krümmung zu handeln, ist alt. In einer Empfehlung aus dem Jahr 1990 hieß es beispielsweise, erst dann zu operieren, wenn die Streckblockade mindestens 30 Grad beträgt. Auch heute liest man diese Aussage immer noch. Wir müssen neben dem Winkelgrad der Behinderung aber weitere Gesichtspunkte heranziehen, wenn es darum geht, wann und wie behandelt werden sollte – vor allem, welche Form, Gestalt und Ausprägung die Erkrankung angenommen hat. Zwei anschauliche Bilder aus der Küche helfen, den Unterschied zu verstehen.
Stellen Sie sich eine Wäscheleine vor – ein dünnes, festes Band, das zwischen zwei Punkten aufgespannt ist. So kann sich die Dupuytren‑Krankheit zeigen: Die Fingerkrümmung wird durch ein solches Faserbündel hervorgerufen. Das Günstige daran ist, dass sich dieser Strang meist deutlich von der Unterlage abhebt und nach innen keine wesentlichen Verwachsungen zeigt. Auch die darüberliegende Haut ist dann in der Regel nicht verwachsen, sondern über dem Strang gut verschieblich.
Das ist die ideale Ausgangslage für eine perkutane Nadelfasziotomie (PNF). Es spielt dann kaum eine Rolle, an welcher Stelle der Strang durchtrennt wird: Er weicht auseinander, und die Beweglichkeit des Fingers ist wiederhergestellt. Einen solchen Strang können Sie sich wie eine Spaghetti vorstellen.
Anders liegt der Fall, wenn Sie beim Betasten Ihrer eigenen Hand eher an eine Makkaroni denken müssen – wenn sich der Strang also viel dicker, fester und vielleicht knotig anfühlt. Der Grad der Kontraktur kann dabei genau derselbe sein wie bei der Spaghetti, und dennoch ist die Situation eine ganz andere.
Das stark verdickte Gewebe sitzt oft breitflächig auf der Unterlage auf, die bedeckende Haut ist mit dem Strang verwachsen, und die Erkrankung hat das Unterhaut‑Fettgewebe verdrängt. Wird ein solches Gewebe mit einer PNF durchtrennt, ist keine vollständige Befreiung aus der Blockade zu erwarten: Die Enden können nicht einfach auseinanderweichen, weil sie mit ihrer Umgebung verwachsen sind. Eine Makkaroni muss deshalb in der Regel chirurgisch entfernt werden, damit sich die Streckfähigkeit wieder verbessert.
Und noch einmal zurück zur Spaghetti: Schon wenn ein Bindegewebsstrang zu erkennen und zu tasten ist, ohne dass überhaupt eine Gelenkblockade vorliegt, kann eine PNF zu einer Entspannung im Bereich der Faserplatte beitragen und den weiteren Verlauf der Erkrankung verzögern.
Der Vergleich mit Pasta soll dabei natürlich nicht heißen, dass Nudeln die Dupuytren‑Krankheit auslösen. Er macht nur anschaulich, worauf es ankommt: Die ausschließliche Betrachtung des Winkelgrades wird der Erkrankung nicht gerecht. Für die Wahl des richtigen Verfahrens zählt ebenso, wie sich das erkrankte Gewebe darstellt – dünn und frei verschieblich oder dick, fest und verwachsen.
Das Makkaroni-Problem 😉 #gutlebenmitdupuytren
Gut leben mit Dupuytren 4. Dezember 2022 16:55