Woher weiß man eigentlich, dass es sich wirklich um Morbus Dupuytren handelt – und nicht um etwas ganz anderes? Diese Frage beschäftigt viele Patienten. Die gute Nachricht vorweg: Die Dupuytren Diagnose lässt sich in aller Regel allein durch die klinische Untersuchung stellen. Ein erfahrener Handchirurg erkennt die typischen Knoten und Stränge zuverlässig, ohne dass aufwändige Geräteuntersuchungen nötig wären.
Studien, in denen unterschiedliche Ärzte dieselben Patienten untersucht und ihre Ergebnisse verglichen haben, zeigen ein bemerkenswert einheitliches Bild: Bei der typischen Erkrankung sind sich die Untersucher praktisch immer einig, Fehleinschätzungen sind selten. Die Untersuchungsergebnisse sind also sehr zuverlässig.
Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie schlicht die Untersuchung abläuft. Wir können die Hand lediglich betrachten und betasten. Mit einiger Übung genügt das jedoch, um die Veränderungen zu sehen, zu fühlen und richtig einzuordnen. Wichtig sind außerdem zwei Fragen: wie und wann die Veränderungen begonnen haben – und ob die Erkrankung bereits bei Blutsverwandten aufgetreten ist. Beides erfragen wir im Gespräch.
Bei anderen Erkrankungen werden oft ergänzende Untersuchungen durchgeführt – das ist auch beim Morbus Dupuytren möglich. Grundsätzlich eignen sich alle drei bildgebenden Verfahren, um die Veränderungen darzustellen: die Ultraschalluntersuchung, die Kernspintomographie (MRT) und – seltener, wegen der Strahlenbelastung – die Computertomographie (CT). In der Praxis kommen vor allem Ultraschall und MRT zum Einsatz.
Diese Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen: Sie können die Diagnose bestätigen, zeigen, ob sich die Erkrankung über die Zeit verändert (was für den Behandlungszeitpunkt wichtig ist), und sie machen sichtbar, ob die Stränge in kritischer Nähe zu Nerven oder Blutgefäßen verlaufen. Gerade vor einer perkutanen Nadelfasziotomie, bei der der Behandler keine direkte Sicht auf diese Strukturen hat, kann das hilfreich sein. Schließlich lässt sich damit auch der Erfolg einer Behandlung überprüfen.
Eine systematische Übersichtsarbeit, die die bis dahin veröffentlichten Studien zusammenfasst, kommt allerdings zu einem klaren Schluss: Für die routinemäßige Feststellung der Erkrankung sind solche apparativen Untersuchungen nicht erforderlich. Die MRT ist allein zur Bestimmung der Ausdehnung viel zu teuer. Untersuchungen zur Risikominderung bei minimalinvasiven Eingriffen sind zwar möglich, ein Nutzen ist bislang aber nicht belegt – die Risiken sind bei diesen Methoden ohnehin gering. → BMC-Übersichtsarbeit
Das könnte sich künftig ändern. Sollten neue Behandlungsmethoden Operationen überflüssig machen, gewinnt womöglich der Ultraschall an Bedeutung – für Verlaufskontrollen ohne Strahlenbelastung und ohne große Kosten. Wer sich speziell für die Kernspintomographie interessiert, findet die Details im Beitrag MRT bei der Dupuytrenkrankheit.
Eine ergänzende Untersuchung sollte dagegen ausnahmslos erfolgen: Wird bei einer Operation Gewebe aus der Hand entfernt, geht dieses anschließend zum Pathologen, der es unter dem Mikroskop genauer prüft. Der Grund ist Vorsicht. In extrem seltenen Fällen – und dann typischerweise bei Kindern oder jungen Erwachsenen – kann sich hinter einer Veränderung eine bösartige Erkrankung verbergen; solche Einzelfälle sind in der Fachliteratur beschrieben. Die Wahrscheinlichkeit, dass unter der Haut der Hand etwas Bösartiges wächst, ist verglichen mit anderen Körperregionen jedoch außerordentlich gering. Nur wenn Sie feststellen, dass in relativ kurzer Zeit deutliche Veränderungen entstehen, wäre daran zu denken – dann wären eine Röntgenuntersuchung und weitere Abklärung erforderlich.
Der erfahrene Arzt, insbesondere der Handchirurg, kann die Dupuytren Diagnose praktisch sicher stellen, ohne ergänzende Geräteuntersuchungen. Bildgebung mit Ultraschall, MRT oder CT ist möglich und in bestimmten Situationen sinnvoll – etwa zur Verlaufsbeurteilung oder zur Planung minimalinvasiver Eingriffe –, für die reine Diagnosestellung aber nicht nötig. Entnommenes Gewebe wird zur Sicherheit stets feingeweblich untersucht.
☝️Morbus Dupuytren: eine einfache 🕵️♂️Diagnose?#gutlebenmitdupuytren
Gut leben mit Dupuytren 15. April 2020 21:51