Die DPT-Orthese bei Dupuytren steht für einen Behandlungsgedanken, der ohne sofortigen Schnitt auskommt: kontrollierte, langsame Streckung statt abrupter Kraft. Sie ist Teil eines größeren Spektrums der Zug- und Streckbehandlung des Morbus Dupuytren — von der sanften, im Alltag tragbaren Orthese bis zur kontinuierlichen Distraktion bei sehr schweren Kontrakturen. Dieser Beitrag ordnet die Verfahren ein und zeigt, für welche Situation welcher Weg gedacht ist.
Der Hintergrund: Bei einer fortgeschrittenen Kontraktur ist nicht nur der Dupuytren-Strang verkürzt. Über die Jahre passen sich auch Haut, Gelenkkapsel und begleitende Strukturen der Beugestellung an. Ein durchtrennender oder entfernender Eingriff (PNF oder Operation) adressiert den Strang — die sekundäre Verkürzung der übrigen Gewebe kann eine Zug- oder Streckbehandlung ergänzend angehen.
Die DPT-Orthese nutzt die Eigenschaft bombierten Federstahls, immer in die gestreckte Form zu streben — vergleichbar mit dem Rückstellverhalten eines Metallbandmaßes. Auf dem gekrümmten Finger fixiert, übt das System eine geringe, gleichmäßige Streckkraft von der Handrückenseite aus.
Zwei Besonderheiten unterscheiden sie von üblichen Quengelschienen:
– Die niedrige Kraftentfaltung erlaubt weiterhin aktive Beweglichkeit — der Finger kann bei angelegter Orthese gebeugt und gestreckt werden. Das schont das Gelenk.
– Ein beweglich zwischengeschalteter Stützblock verhindert die direkte Druckübertragung auf das Gelenk.
Wir setzen die DPT-Orthese gezielt bei Patientinnen und Patienten ein, bei denen nach einer perkutanen Nadelfasziotomie (PNF) die vollständige Beweglichkeit nicht wiederhergestellt werden konnte — praktisch immer am Mittelgelenk (PIP). Dort bleibt eine Restkontraktur zum Beispiel deshalb bestehen, weil die Gelenkkapsel selbst nicht ausreichend elastisch ist, obwohl die ursprünglich für die Blockade verantwortlichen Stränge erfolgreich durchtrennt wurden. Eine alleinige Anwendung ohne vorgeschaltete PNF befürworten wir nicht.
In der Anwendung wird die Orthese in der Regel stundenweise getragen; eine dauerhafte Anwendung toleriert man normalerweise nicht, unter anderem wegen eines Druckgefühls unter dem Stützblock. Viele Patienten beschreiben dennoch einen positiven Effekt. Für welche Befunde die Orthese optimal geeignet ist und wann eher nicht, ist noch nicht abschließend geklärt — hier wären aussagekräftige Studien wünschenswert. Die Versorgung erfolgt ausschließlich über geschulte handchirurgische Zentren mit kooperierenden Orthopädietechnikern.
In meiner Praxis setze ich die Orthese seit einiger Zeit ein; wie sie sich im Alltag bewährt, schildert ein Patient in seinen Erfahrungen aus einem Jahr Anwendung. Wer mehr über die Geschichte und den Erfinder der Methode, oder über die richtige Pflege der Orthese wissen möchte, findet dazu eigene Beiträge.
Bei sehr schweren Verläufen — der Finger ist dauerhaft um 90 Grad oder mehr gebeugt — stößt eine sofortige Operation an ihre Grenzen: Haut, Sehnen und Gelenkkapsel sind zu stark verkürzt, um den Finger gefahrlos in einem Schritt zu strecken. Hier setzt die Continuous Extension Technique (TEC) an: ein kleiner äußerer Distraktor am Finger, der über eine Stellschraube täglich um winzige Beträge weitergedreht wird. Die stetige, sanfte Dehnung lässt Haut nachwachsen, Gewebe und Kapsel nachgeben und schont Nerven und Gefäße.
Der entscheidende Unterschied zur Orthese liegt in der Kraftübertragung: Während Schienen und Orthesen über die Haut drücken – und deshalb wegen Druckschmerz an Haut und Knochenhaut nur stundenweise getragen werden können –, überträgt der Fixateur die Kraft über kleine, in den Knochen eingebrachte Stifte. Haut und Knochenhaut werden dabei umgangen, sodass eine kontinuierliche Distraktion über Tage und Wochen möglich ist – genau die Dauerbelastung, die eine Orthese nicht leisten kann. Gerade diese langsame, stetige Streckung vermeidet das schädliche Zerren an Nerven und Gefäßen, das sonst zum Beispiel zu Durchblutungsstörungen führen kann. Erst nach dieser Vordehnung folgt in vielen Fällen die eigentliche Operation — dann deutlich sicherer.
Wie die Methode im Detail funktioniert und was im Gewebe passiert, habe ich in diesem Beitrag beschrieben.
Der Impuls, einen krummen Finger selbst „gerade zu ziehen“, ist verständlich — aber riskant. Kräftiges, unkontrolliertes Eigendehnen kann das Gewebe reizen und den Prozess eher befeuern. Der Unterschied liegt in Dosis und Zeit: Die kontrollierte, langsame Streckung einer DPT-Orthese oder eines Distraktors wirkt anders als ruckartiges Ziehen.
Warum unkontrolliertes Eigendehnen problematisch sein kann, habe ich hier beschrieben.
Nach einer erfolgreichen Behandlung geht es darum, das erreichte Streckergebnis zu halten. Ergänzende Schienen — etwa als Nachtlagerung — können die erreichte Streckung stabilisieren.
Entscheidend ist die sinnvolle Kombination aus Schiene, Bewegung und funktioneller Nachbehandlung.
Wo die Zug- und Streckbehandlung in die Gesamttherapie gehört, zeigt der große Überblick über Morbus Dupuytren
Was bei Nachtschiene und Ruhigstellung im Detail zu beachten ist, erkläre ich in diesem Beitrag.
Welcher Weg für Ihre Hand sinnvoll ist, hängt von Befund, Stadium und Vorbehandlung ab. In der Videosprechstunde können Sie Ihre Situation vorab einschätzen lassen.