Nach heutigem Stand kennen wir keine Methode, mit der sich Morbus Dupuytren dauerhaft heilen lässt. Das bedeutet: Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann die Erkrankung wiederkommen. Verständlich, dass Patienten wissen möchten, worauf sie sich einstellen müssen – kehrt die Verkrümmung an derselben Stelle zurück, an einer anderen, oder sogar an anderen Körperteilen? Dieser Beitrag beginnt mit der ersten Frage: dem Dupuytren-Rezidiv.
Die meisten Patienten wünschen eine Behandlung erst dann, wenn die Finger deutlich gekrümmt sind. Entsprechend bemisst sich der Erfolg daran, wie viel Beweglichkeit zurückgewonnen wird – gemessen als Winkel in Grad, um den sich das betroffene Gelenk wieder strecken lässt (mit einem Messinstrument oder inzwischen auch online). Das Grundgelenk lässt sich dabei meist besser strecken als das Mittelgelenk, unabhängig von der Methode.
Im Verlauf der Zeit entwickeln viele Patienten jedoch wieder neue Dupuytren-Stränge, und die Beweglichkeit verschlechtert sich erneut. Genau das ist ein Rezidiv. Seit einigen Jahren gibt es dafür eine verbindliche Definition; wirklich präzise Vergleichsdaten fehlen allerdings bis heute – auch, weil früher nicht alle unter „Rezidiv“ dasselbe verstanden.
Seit vor etwa 20 Jahren die perkutane Nadelfasziotomie und rund zehn Jahre später die Kollagenase-Behandlung hinzukamen, stellt sich die Frage, welche Methode die längste beschwerdefreie Zeit verspricht. Aufschlussreich ist eine niederländische Studie von van Rijssen und Kollegen: 115 Behandlungen an 111 Patienten, über fünf Jahre nachverfolgt, im Vergleich Nadelfasziotomie gegen die klassische Operation (limitierte Fasziektomie).
Das Ergebnis nach fünf Jahren: Nach der Nadelfasziotomie lag die Rezidivrate bei fast 85 Prozent – nur etwa 15 Prozent blieben rezidivfrei. Nach der Operation trat bei nur rund 21 Prozent ein Rezidiv auf. Als Rezidiv galt dabei, dass sich das Ergebnis um mindestens 30 Grad verschlechtert hatte. Die Operation hält also im Schnitt deutlich länger.
Bemerkenswert ist aber: Rund die Hälfte der Patienten, deren Beschwerden nach einer Nadelfasziotomie zurückkehrten, entschied sich für die nächste Behandlung trotzdem wieder für dieselbe Methode – weil sie schonend und wiederholbar ist.
Das ist gut vorstellbar: Die Erkrankung nimmt womöglich eine andere Gestalt an, nachdem das Gewebe einmal vollständig aus dem Finger herausgeschält wurde (Operation), als nach einer Nadelfasziotomie, bei der das erkrankte Gewebe im Finger zurückbleibt.
Ein Rezidiv nach Nadelfasziotomie lässt sich daher bei vielen Patienten erneut mit einer Nadelfasziotomie behandeln; das auf dieses Verfahren spezialisierte Team Vielleicht müssen wir diese Vorstellung aber revidieren: Eine große niederländische Studie (Mendelaar und Kollegen) konnte zeigen, dass Nachfolge-Operationen vergleichbar gute Ergebnisse brachten wie Ersteingriffe, ohne dass mehr Komplikationen auftraten – und das, obwohl die Hände vor dem Zweiteingriff stärker gekrümmt waren. Dieselbe Studie fand zudem, dass Patienten, die zuerst mit einer Nadelfasziotomie behandelt worden waren, bei der Wiederholungsbehandlung eine bessere Streckung erreichten als jene, die zunächst operiert worden waren – ein weiteres Argument für den schonenden Erstzugang. Interessant ist überdies, dass sich Gewebeproben aus Rezidiven nach einer Enzymbehandlung und nach einer Operation unter dem Mikroskop nicht unterscheiden lassen.
Zu Beginn einer Behandlung können wir Ihnen nicht mit Sicherheit sagen, wie der Verlauf im Einzelfall sein wird – also wann mit einem Dupuytren-Rezidiv zu rechnen ist. Was wir halbwegs sicher wissen: Die gewählte Behandlungsmethode hat darauf einen Einfluss. Welche Methode wann sinnvoll ist, lesen Sie im Vergleich der Behandlungsverfahren; wie die Nachsorge nach den einzelnen Verfahren aussieht, in der Übersicht zur Nachbehandlung bei Morbus Dupuytren.
Wählen Sie also die für Sie richtige Methode.
😒 REZIDIV!! bei ☝️Morbus Dupuytren @duplife
Gut leben mit Dupuytren 10. Oktober 2020 16:56