Gelenkkontraktur bei Dupuytren: Warum Finger-Gelenke versteifen – und wann Sie früh handeln sollten

Bei der Morbus Dupuytren denken viele zuerst an den tastbaren Strang in der Handinnenfläche. Mindestens ebenso wichtig ist aber, was mit den Fingergelenken selbst geschieht: Bleibt ein Gelenk zu lange gebeugt, entsteht neben der Strangkontraktur eine eigenständige Gelenkkontraktur. Diese zweite Ursache der Streckhemmung wird bei Dupuytren leicht übersehen – und gerade sie entscheidet oft darüber, wie gut sich ein Finger später wieder strecken lässt.

Warum das Mittelgelenk bei Dupuytren besonders empfindlich ist

In den Grundgelenken – dort, wo die Finger aus der Hand entspringen – können Sie die Finger beugen, strecken, spreizen und wieder zusammenführen, allerdings nur, solange die Finger gestreckt sind. Beugen Sie die Finger vorher, lässt sich kaum noch spreizen. Das Mittelgelenk verhält sich anders: Es lässt nur Beugung und Streckung zu, sonst nichts. Dieser Unterschied ist bei Dupuytren bedeutsam, denn gerade das Mittelgelenk reagiert besonders empfindlich auf eine dauerhafte Beugestellung – und genau hier beginnt später die Gelenkkontraktur.

Wie die Gelenkkontraktur bei Dupuytren entsteht

Jedes Gelenk möchte frei bewegt werden. Geschieht das über längere Zeit nicht, beginnt das Mittelgelenk einzusteifen – der erste Schritt zur Gelenkkontraktur. Das merken Sie schon nach kurzer Ruhigstellung, etwa wenn die Finger nach einer Nacht mit einer statischen Schiene erst nach einigen Versuchen wieder frei beweglich sind.


Gelenkkontraktur bei Dupuytren: schlaffe Seitenbänder am gebeugten Mittelgelenk
Am gebeugten Mittelgelenk sind die Seitenbänder schlaff – bleibt der Finger lange gebeugt, verkürzen sie sich.

 

Verantwortlich sind die Seitenbänder des Mittelgelenks: In gestreckter Fingerstellung sind sie straff gespannt, mit zunehmender Beugung geben sie nach. Bleibt der Finger dauerhaft gebeugt, verlieren die Seitenbänder ihre Elastizität und verkürzen sich. Deshalb vermeidet man in der Handchirurgie, ein Mittelgelenk in entspannter Beugestellung ruhigzustellen; die Finger sollen möglichst gestreckt sein, damit die Seitenbänder ihre Länge behalten. Diese Position nennt man intrinsic plus. Bei Dupuytren wird nun genau dieses Mittelgelenk häufig behindert – so tritt zur Strangkontraktur eine echte Gelenkkontraktur hinzu, und die Finger versteifen.

Warum frühes Handeln die Gelenkfunktion schützt

Das hat eine unangenehme Folge: Nach einer lang bestehenden Beugestellung genügt es nicht mehr, einfach den ursprünglichen Auslöser – den Dupuytren-Strang – zu entfernen. Der Finger lässt sich dann trotzdem nicht vollständig strecken, und es sind aufwendigere Maßnahmen am Gelenk selbst nötig. Nehmen Sie eine zunehmende Fingerkrümmung deshalb bitte nicht einfach hin, nur weil sie Sie im Alltag (noch) nicht stört. Es geht nicht darum, sich möglichst rasch klassisch operieren zu lassen. Aber gerade in einem frühen Stadium ist die perkutane Nadelfasziotomie eine schonende Möglichkeit, die Streckung wiederherzustellen, die Gelenkfunktion zu erhalten und größere Eingriffe vorerst zu vermeiden.

Mehr zum Krankheitsbild, seinen Ursachen und Behandlungswegen finden Sie in der Übersicht zu Morbus Dupuytren. Wie sich ein Strang frühzeitig und ohne offene Operation lösen lässt, lesen Sie im Beitrag zur perkutanen Nadelfasziotomie.