PNF bei Dupuytren: den richtigen Zeitpunkt wählen

Früher behandeln, als die Lehrmeinung sagt

Bei Morbus Dupuytren zählt nicht nur, ob behandelt wird, sondern vor allem wann — und beim richtigen Zeitpunkt der PNF vertrete ich eine frühere Auffassung als die klassische Lehre. Traditionell gilt die perkutane Nadelfasziotomie erst ab einem bestimmten Krümmungsgrad als angezeigt. Gemeinsam mit Albrecht Meinel sehe ich das anders: Schon das Vorhandensein eines Dupuytren-Strangs, der unter Zugspannung steht, macht die Methode sinnvoll — lange bevor der Finger fest eingekrümmt ist. Sie ist damit, anders als man es oft liest, keineswegs nur etwas für fortgeschrittene Fälle oder das höhere Lebensalter.

Warum ein Strang unter Spannung den Ausschlag gibt

Der Grund liegt in der Biologie der Erkrankung. Ein gespannter Strang unterhält einen Teufelskreis: Zugspannung führt zu mehr Spannung und diese zu weiterer Gewebeproliferation, der Strang wird kräftiger, die Krümmung schreitet fort. Die PNF durchtrennt den Strang und nimmt die Spannung aus dem Gewebe. Und so, wie die gestörten Bindegewebszellen durch Spannung aktiviert werden, können sie auf deren Wegfall auch umgekehrt reagieren. Dieses Zusammenspiel von Gewebespannung und Krankheitsverlauf hat Albrecht Meinel eingehend beschrieben; die Rückbildung nach Entlastung — Verhärtungen und Knoten werden mit der Zeit häufig kleiner und weicher, gelegentlich verschwinden sie ganz — habe ich bei eigenen Patienten wiedergesehen, teils noch viele Jahre nach dem Eingriff.

Zurück auf Los: Zeit gewinnen statt operieren

Spielfigur auf dem Feld „Los" – die PNF versetzt Morbus Dupuytren gewissermaßen zurück auf Los und wählt den richtigen Zeitpunkt.

Eine erfolgreiche PNF kann die Dupuytren-Erkrankung so funktionell in ein früheres Stadium zurückversetzen — gewissermaßen zurück auf Los — und wertvolle Zeit gewinnen, bevor eine größere Operation nötig wird. Der Nutzen liegt nicht in einer endgültigen Heilung, sondern darin, die Progression hinauszuzögern und die Behandlung bei Bedarf später erneut anzupassen; in Studien wurde beschrieben, dass sich eine invasivere Therapie im Durchschnitt um mehrere Jahre verschieben lässt. Wie unterschiedlich der natürliche Verlauf der Erkrankung von Patient zu Patient ausfällt, zeigt eine aktuelle Langzeitstudie.. Das ist deshalb so wichtig, weil es in die andere Richtung kein Zurück gibt: Nach chirurgischen Schnitten und Narben führt kein Weg „zurück auf Los“. Eine offene Operation ist immer eine eigenständige Belastung und sollte so lange wie möglich vermieden werden.

Wie die perkutane Nadelfasziotomie im Detail abläuft, für wen sie geeignet ist und wo ihre Grenzen liegen, lesen Sie in unserem ausführlichen Überblick.