Wenn Sie nach den Ursachen von Morbus Dupuytren suchen, wünschen Sie sich meist eine klare Antwort: einen Auslöser, den man benennen und vielleicht sogar meiden kann. Gerade beim Thema Dupuytren Ursachen lohnt sich aber ein genauer Blick. Vieles, was in Ratgebern und Foren als „Ursache“ gehandelt wird, ist bei nüchterner Betrachtung nur ein Zusammenhang – und das ist etwas grundlegend anderes.
Wir Menschen neigen dazu, eine beobachtete Regelmäßigkeit sofort auf eine naheliegende Ursache zurückzuführen. Passiert Ähnliches gehäuft, vermuten wir eine Ursächlichkeit dahinter. Das kann stimmen – sicher ist es keineswegs.
Berühmt geworden ist dazu eine Auswertung, die für 17 europäische Länder einen engen, statistisch hochsignifikanten Zusammenhang zwischen der Zahl der Störche und der Geburtenrate fand. Natürlich bringt der Storch nicht die Kinder. Die eigentliche Erklärung liegt in einem dritten Faktor: In ländlich geprägten Regionen mit vielen freistehenden Häusern finden sowohl Störche geeignete Nistplätze als auch Familien Platz für Nachwuchs. Man spricht von einer Scheinkausalität. Wer solche Kuriositäten mag, findet bei Tyler Vigen dutzende weitere – etwa den „Zusammenhang“ zwischen nicht-kommerziellen Raketenstarts und der Zahl amerikanischer Soziologie-Promotionen. Amüsant, aber ohne jeden inneren Zusammenhang.
In der Medizin haben wir häufig gar keine besseren Instrumente. Der sauberste Beweis für eine Ursache wäre die kontrollierte Studie mit Vergleichsgruppen – doch die ist oft nicht durchführbar, weil der Aufwand zu groß oder das Vorgehen ethisch nicht vertretbar wäre. Man kann einer Gruppe von Diabetikern nicht die blutzuckersenkenden Medikamente entziehen, nur um zu prüfen, ob sich dadurch ein Morbus Dupuytren beeinflussen lässt. Deshalb bleibt uns oft nur die Beobachtung – und Beobachtung zeigt Zusammenhänge, nicht Ursachen.
Genau in dieser Lage steht auch die Forschung zu den Ursachen von Morbus Dupuytren. Eine umfassende Metaanalyse, die zahlreiche frühere Untersuchungen zusammenfasst, prüfte die Assoziation der Erkrankung mit Diabetes mellitus, mit Lebererkrankungen und mit Epilepsie. Das Ergebnis: Alle drei sind statistisch mit Morbus Dupuytren verknüpft – Menschen mit Diabetes etwa haben eine rund dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit, ebenfalls einen Morbus Dupuytren zu zeigen; für Lebererkrankungen und Epilepsie fällt die Assoziation ähnlich deutlich aus.
Zwei Dinge sind hier entscheidend – und werden gern überlesen:
Erstens sagen die Autorinnen und Autoren ausdrücklich, dass eine Kausalität nicht belegt ist. Der Diabetiker hat seinen Morbus Dupuytren also nicht deshalb, weil er Diabetiker ist. Dass diese drei ganz unterschiedlichen Krankheitsbilder überhaupt gemeinsam untersucht werden, ist selbst eher eine Folge historisch zufälliger Beobachtungen als ein Hinweis auf einen gemeinsamen Mechanismus.
Zweitens blendet diese Betrachtung wichtige Faktoren bewusst aus – allen voran die genetische Veranlagung, die heute als ein zentraler Baustein der Entstehung gilt. Wer nur nach Diabetes, Leber und Epilepsie fragt, sieht also von vornherein nur einen Ausschnitt.
Wenig Beruhigendes, aber viel Ehrliches: Aus solchen Zusammenhängen lassen sich kaum belastbare Handlungsempfehlungen ableiten. Wenn Sie an Diabetes leiden, ist Ihr Morbus Dupuytren nicht „selbst verschuldet“, und eine noch strengere Blutzuckereinstellung wird ihn nach heutigem Wissen nicht zum Verschwinden bringen.
Ein einziger vorsichtiger, praktischer Hinweis lässt sich dennoch benennen: Historisch wurde weniger die Epilepsie selbst als vielmehr bestimmte ältere Antiepileptika – die Barbiturate – mit Morbus Dupuytren in Verbindung gebracht. Da diese heute nur noch selten zur Anfallsbehandlung eingesetzt werden und gut verträgliche Alternativen zur Verfügung stehen, ist der Punkt für die allermeisten Betroffenen ohnehin kaum noch von Bedeutung.
Was heißt das unterm Strich? Die Ursachen des Morbus Dupuytren sind vielschichtig und bis heute nicht abschließend geklärt. Seriöser als jede einfache Schuldzuweisung ist die Frage, was Sie jetzt tun können – dazu gehört die realistische Einordnung, ob und wie sich der Verlauf beeinflussen lässt. Einen Überblick über die Erkrankung finden Sie auf meiner Seite Morbus Dupuytren; der Frage, ob sich überhaupt vorbeugen lässt, gehe ich gesondert nach: Ist Vorbeugung möglich?
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Gut leben mit Dupuytren 13. April 2020 14:00