Macht Dupuytren eigentlich Schmerzen?

Häufig heißt es, die Dupuytren-Erkrankung sei nicht mit Schmerzen verbunden. Das stimmt so nicht ganz. Ob Dupuytren Schmerzen verursacht, erleben Betroffene sehr unterschiedlich – und genau darum soll es hier gehen.

Warum die Knoten lange unbemerkt bleiben

Ähnlich wie bei gutartigen Gewebeneubildungen wächst das erkrankte Gewebe bei Morbus Dupuytren langsam und bereitet zunächst keine unmittelbaren Schmerzen. Wenn sich die ersten Knoten und Verhärtungen bilden, fällt das oft über lange Zeit gar nicht auf. Die häufigste Stelle ist die Hohlhand auf Höhe des Ringfingers.

Der erste spürbare Moment kommt bei vielen Patienten überraschend: Stellen Sie sich vor, Sie halten ein Werkzeug kräftig fest – etwa einen Schraubendreher. In diesem Augenblick bemerken manche zum ersten Mal, dass sich an ihrer Hand etwas verändert hat.

Wann Dupuytren Schmerzen auslöst

Der feste Knoten selbst löst durch den Druck nicht unmittelbar Schmerz aus. Er gibt den Druck aber an seine Umgebung weiter, weil er so hart ist. Das ist vergleichbar mit einem kleinen Stein im Schuh – oder mit der Prinzessin auf der Erbse, die noch durch eine dicke Matratze hindurch die kleine Erbse spürt. So wie das Märchen die außergewöhnliche Empfindsamkeit beschreibt, ist auch im wirklichen Leben das Schmerzempfinden von Mensch zu Mensch sehr verschieden.

Ich habe zwar noch keine Prinzessin behandelt, aber durchaus Patienten, die genau die Situation mit dem Schraubendreher schilderten und berichteten, sie könnten ihre Arbeit dadurch nicht mehr richtig ausüben. Andererseits gibt es Studien, die betonen, dass die Dupuytren-Erkrankung selbst bei deutlich eingeschränkter Beweglichkeit für viele Betroffene lange kein Problem darstellt. Kurz gesagt: Menschen erleben diese Beschwerden sehr unterschiedlich – und darauf müssen wir als Handchirurgen individuell eingehen.

Wann eine Operation trotzdem sinnvoll sein kann

Grundsätzlich sind wir mit Handoperationen zurückhaltend, weil die Erkrankung dadurch nicht dauerhaft beseitigt wird: Wächst sie an derselben Stelle wieder nach, ist das für Patienten wie für uns Handchirurgen unerfreulich. Dennoch kann ein Eingriff im Einzelfall auch in einem frühen Stadium gerechtfertigt sein – nämlich dann, wenn Sie individuell stark beeinträchtigt sind.

Wann der richtige Zeitpunkt für einen Eingriff ist und warum dabei nicht der Beugewinkel allein entscheidet, habe ich in eigenen Beiträgen ausführlicher beschrieben. Entscheidend bleibt: Nicht das Röntgenbild oder der gemessene Winkel bestimmt die Behandlung, sondern Ihre persönliche Beeinträchtigung im Alltag.

Ein Blick in die Operation

Das Video zeigt einen solchen Eingriff bei einem individuell stark beeinträchtigten Patienten. Zu Beginn wird die Hand in maximaler Streckung fixiert. Auffällig ist, dass äußerlich zunächst keine funktionelle Einschränkung zu erkennen ist – erst das Tasten offenbart die Knoten und Stränge. Dort, wo die Haut nach innen gezogen wird, vermeiden wir bewusst den Hautschnitt, auch wenn das Nachteile für die spätere Narbe hat.

Präpariert wird schrittweise mit dem Skalpell, dem wichtigsten Instrument bei diesem Eingriff. Eigentlich sollte zwischen erkranktem Gewebe und Haut eine schützende Unterhaut-Fettschicht liegen; an manchen Stellen hat die Erkrankung sie vollständig verdrängt. Mit einem Haken lässt sich die Zugrichtung verändern, sodass immer einzelne Fasern angespannt und unter Sicht durchtrennt werden können. Wird ein Strang schließlich quer durchtrennt, weichen die beiden Enden deutlich auseinander – ein sichtbarer Beleg dafür, wie viel Spannung in der Hand wirksam war, obwohl die Finger noch recht beweglich schienen. Diese Spannung ist damit neutralisiert.

Während der gesamten Lösung achten wir sorgfältig auf die Nerven und Blutgefäße; für besonders heikle Abschnitte wechseln wir vom Skalpell zur Schere, die zwar weniger fein präpariert, aber sicherer gesundes Gewebe schont. Am Ende ist das erkrankte Gewebe entfernt, die Nerven zu Ring- und Kleinfinger sind erhalten, und die Hand hat an Elastizität gewonnen. Ob dieser Patient tatsächlich profitiert, besprechen wir einige Wochen später gemeinsam – einschließlich des Für und Wider eines solchen Eingriffs.

Wie eine solche Operation konkret abläuft, zeigt der Fall der Woche: Dupuytren-Knoten entfernen – wenn der Knoten in der Hohlhand schmerzt.