Die meisten Menschen mit einem Morbus Dupuytren sind Männer – aber die Erkrankung betrifft auch Frauen. Als Patientin fragen Sie sich zu Recht, ob Dupuytren bei Frauen anders verläuft als bei Männern: Tritt die Erkrankung seltener auf, später, milder? Die Studienlage gibt hier erstaunlich klare Hinweise – auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick uneinheitlich wirken.
Das Zahlenverhältnis zwischen Männern und Frauen fällt nicht in allen Untersuchungen gleich aus. Ein Grund dafür: In frühen Stadien verursacht die Erkrankung noch keine Einschränkungen. Studien, die nur bereits behandlungsbedürftige, also funktionell eingeschränkte Patienten erfassen, übersehen deshalb viele leicht betroffene Frauen.
Verlässlicher sind Reihenuntersuchungen an der Allgemeinbevölkerung. 1969 wurde in Norwegen anlässlich einer damals verpflichtenden Röntgen‑Reihenuntersuchung die Bevölkerung einer ganzen Kleinstadt zusätzlich auf einen Morbus Dupuytren untersucht. Unter den Männern waren 647 von 6.151 betroffen (10,5 %), unter den Frauen 254 von 8.270 (3,1 %). In japanischen Altenheimen (Bewohner ab 60 Jahren) fanden sich sogar 21 % der Männer und 9,8 % der Frauen betroffen – deutlich mehr als erwartet und ein guter Beleg dafür, dass die Erkrankung nicht ausschließlich Menschen aus Nordeuropa betrifft.
Fasst man alle bisher veröffentlichten Studien in einer großen Übersichtsarbeit zusammen, zeigt sich ein klares Bild: Die Häufigkeit nimmt bei beiden Geschlechtern bis ins hohe Alter kontinuierlich zu – bei Männern auf fast 50 %, bei Frauen auf rund 30 %.
Ein durchgängiger Befund ist der Altersunterschied. Eine Arbeitsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover berichtete über fast zehn Jahre und 566 Patienten: Der Frauenanteil lag bei 12,5 %, und die Frauen waren zum Behandlungszeitpunkt im Schnitt 61 Jahre alt, die Männer 57. Bildet man Altersgruppen, erkranken Männer früher und in höherem Bevölkerungsanteil, Frauen etwa zehn Jahre später. Im höchsten Lebensalter gleicht sich das Verhältnis schließlich an – dann sind beide Geschlechter ähnlich häufig betroffen.
Historische Berichte muss man mit Vorsicht lesen. Eine englische Mitteilung über 46 zwischen 1945 und 1963 in London operierte Frauen beschrieb in der Altersgruppe von etwa 39 bis 59 Jahren auffällig oft schlechte Ergebnisse – besonders, wenn Hand und Finger gleichzeitig operiert wurden. Auch bei einer gefürchteten Komplikation, dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS, früher „Morbus Sudeck“ oder Reflexdystrophie), fiel in einer älteren Publikation ein hoher Anteil auf: 24 % der operierten Frauen gegenüber 12 % der Männer.
Entscheidend ist der Kontext: In diesen alten Serien waren die Eingriffe häufig ungewöhnlich ausgedehnt oder mit weiteren Operationen wie einer Karpaltunnelspaltung kombiniert. So würde man heute nicht mehr vorgehen. Die modernen, differenzierten und gewebeschonenden Verfahren spiegeln diese enttäuschenden Zahlen nicht wider.
Neuere Berichte zeichnen sogar das Gegenteil: Frauen erzielen heute oft bessere Ergebnisse nach einer Behandlung – vor allem, weil sie in günstigeren Stadien behandelt werden. Möglicherweise schreitet die Erkrankung bei Frauen im Durchschnitt auch langsamer voran. Das ist ein tröstlicher Gedanke – und ein guter Grund, Veränderungen an der Hand früh abklären zu lassen, statt lange abzuwarten. Wie sich die Erkrankung typischerweise entwickelt, lesen Sie im Beitrag zum Verlauf der Dupuytren‑Erkrankung; einen Gesamtüberblick bietet die Seite zu Morbus Dupuytren.
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Gut leben mit Dupuytren 7. November 2020 9:18