Fasziektomie bei Morbus Dupuytren: So läuft die Operation ab

Die Fasziektomie ist das übliche Operationsverfahren, wenn Finger durch Morbus Dupuytren gekrümmt sind und sich nicht mehr vollständig strecken lassen. Wenn von „der Dupuytren-Operation“ die Rede ist, ist meist dieses Verfahren gemeint. In diesem Beitrag und im Video zeige ich Ihnen, was bei der Operation geschieht, worauf es ankommt und wie das Ergebnis wenige Tage später aussieht.

Was ist eine Fasziektomie bei Dupuytren?

Bei Morbus Dupuytren bildet sich in der Hohlhand und an den Fingern neues Bindegewebe. Es entstehen Knoten und Stränge, die den Finger in eine Beugestellung ziehen. Ziel der Fasziektomie ist es, dieses krankhafte Gewebe zu entfernen, ohne dabei Schaden anzurichten. Bei der heute üblichen partiellen Fasziektomie wird nur das erkrankte Gewebe entfernt, nicht die gesamte Hohlhandfaszie.

Warum die Dupuytren-Operation so viel Erfahrung erfordert

Die Dupuytren-Stränge umwachsen die feinen anatomischen Strukturen der Hand, vor allem die Fingernerven und die Blutgefäße. Diese Strukturen sind für die Handfunktion von größter Bedeutung. Ein Nerv lässt sich im Operationsgebiet oft nicht ohne Weiteres vom erkrankten Gewebe unterscheiden. Wird er versehentlich verletzt, kann der Finger danach taub sein.

Deshalb gehört diese Operation in die Hände eines erfahrenen Handchirurgen. Wie Sie einen solchen Spezialisten finden, lesen Sie im Beitrag Den richtigen Handchirurgen finden.

Ausführlich beschrieben ist die Dupuytren-Operation auch in unserem Patientenratgeber „Morbus Dupuytren“ (Springer 2022).

Fallbeispiel: Dupuytren-OP im Video

Der Patient im Video kann seinen Mittelfinger nicht mehr frei strecken. Im Mittelgelenk besteht eine Blockade von etwa 40 Grad. Auf den ersten Blick wirkt das nicht dramatisch. An der Narbe erkennt man aber, dass die Hand bereits voroperiert ist. Der Patient hatte mit der ersten Operation gute Erfahrungen gemacht und wünschte sich eine ähnliche Besserung.

Viele Patienten in dieser Situation kommen auch für schonendere Verfahren ohne große Schnitte infrage, etwa die perkutane Nadelfasziotomie (PNF). In seinem Fall war das nicht mit einem vertretbaren Risiko möglich. Deshalb fiel die Entscheidung für die offene Fasziektomie bei Dupuytren. Wann welches Verfahren sinnvoll ist, erklärt der Beitrag OP, Nadel oder Spritze?.

☝️ Morbus Dupuytren: Operation an einem einzelnen Finger #gutlebenmitdupuytren

Gut leben mit Dupuytren 29. Januar 2020 22:12

So läuft die Fasziektomie bei Dupuytren ab

 

  • Blutsperre: Wir operieren in Blutleere. Eine Manschette am Arm unterbricht vorübergehend den Blutzustrom. So bleibt das Operationsfeld übersichtlich, und Nerven und Gefäße sind besser zu erkennen.
  • Darstellen von Nerv und Gefäß: Der Strang liegt unmittelbar neben dem Fingernerv und dem begleitenden Blutgefäß. Der Assistent hält den Nerv mit einem feinen Nervenhaken vorsichtig zur Seite.
  • Schrittweises Lösen des Strangs: Der erkrankte Strang wird mit der Pinzette angespannt und Schritt für Schritt aus seiner Umgebung gelöst, bis er vollständig entfernt ist.
  • Instrumente: Viele Chirurgen arbeiten mit feinsten Scheren und Pinzetten unter dem Mikroskop. Im gezeigten Fall war die Situation so günstig, dass die gesamte Präparation mit dem Skalpell möglich war.
  • Hautverschluss: Die Hautschnitte werden so gesetzt und verschlossen, dass die Heilung gut gelingt, …beispielsweise mit Z-Plastiken, einem festen Bestandteil der Dupuytren-Operation. Am Ende wird die Blutsperre gelöst, und die Hand ist wieder durchblutet.

Im Idealfall gelingt beides: Alle wichtigen Strukturen bleiben erhalten, und die Bewegungsstörung ist vollständig ausgeglichen.

Das Ergebnis: Fadenzug nach acht bis neun Tagen

Beim Fadenzug acht bis neun Tage nach der Dupuytren-Operation ist der Patient sehr zufrieden. Er kann seine Hand wieder ungehindert bewegen.

Ein kleiner Tipp zum Fadenzug:

Üblicherweise wird der Faden etwas aus der Wunde gehoben und die Schlaufe mit einer Schere durchtrennt. Das kann unangenehm sein, weil es sich anfühlt, als ziehe jemand an der Haut. Schonender ist es, den Faden nicht aus der Wunde heraus, sondern auf eine Skalpellklinge zu zu führen. So entsteht an der Wunde kein Zug, und der Patient spürt kaum etwas.

Wie die Wunde nach der Fasziektomie bei Dupuytren weiter heilt und was Sie selbst tun können, lesen Sie unter Hautheilung nach einer Operation und Unsichtbare Narben. Einen Überblick über die Zeit nach dem Eingriff gibt der Beitrag Nachbehandlung bei Morbus Dupuytren.

Fasziektomie oder Nadelfasziotomie?

Die Fasziektomie ist bei Dupuytren kein Verfahren für jeden. Bei vielen Patienten lässt sich die Fingerstreckung mit der Nadelfasziotomie wiederherstellen, ohne Schnitt und mit kürzerer Erholungszeit. Die offene Operation kommt vor allem infrage, wenn die Stränge ungünstig liegen, die Haut beteiligt ist oder bereits voroperiert wurde. Mehr dazu im Beitrag Wenn die Nadelfasziotomie nicht mehr reicht. Eine Entscheidungshilfe bietet Welche Therapie passt zu mir?.

Häufige Fragen zur Fasziektomie bei Dupuytren

Wie lange dauert die Heilung nach einer Fasziektomie?
Die Fäden werden in der Regel nach etwa acht bis vierzehn Tagen gezogen. Bis die Hand wieder voll belastbar ist, vergehen meist einige Wochen, abhängig vom Befund und der Nachbehandlung.

Kann bei der Operation ein Nerv verletzt werden?
Das Risiko besteht, weil die Stränge die Nerven oft umwachsen. Erfahrung und sorgfältige Präparation senken es deutlich.

Kommt Dupuytren nach einer Fasziektomie zurück?
Die Operation entfernt das erkrankte Gewebe, heilt aber nicht die Veranlagung. Neue Knoten oder Stränge sind möglich. Mehr dazu unter Neue Dupuytren-Knoten nach Operation.