In einer einzigen Woche kamen zwei Patienten zu mir, die nach einer Handoperation neue Knoten in der Hohlhand bemerkt hatten – Dupuytren-Knoten. Beide waren enttäuscht und überzeugt, bei der Operation sei etwas schiefgelaufen. Das ist verständlich, trifft aber nicht zu: Neue Dupuytren-Knoten nach einer Operation sind in aller Regel kein Zeichen für einen Fehler, sondern ein bekanntes Phänomen. Wer versteht, warum sie entstehen, kann das Risiko zudem gezielt senken.
Entscheidend ist die Veranlagung. Wer die Anlage zur Dupuytren-Krankheit in sich trägt, kann neue Knoten entwickeln, wenn ein passender Reiz hinzukommt – und eine Operation in der Hand kann ein solcher Reiz sein. Der Eingriff löst die Erkrankung nicht aus dem Nichts aus; er kann aber bei entsprechend veranlagten Menschen den Prozess anstoßen, der ohnehin angelegt war. Dass ein chirurgischer Reiz die Dupuytren-Krankheit gewissermaßen „wecken“ kann, ist in der Fachliteratur seit Längerem beschrieben.
Die Botschaft dahinter ist mir wichtig: Ein neu aufgetretener Knoten bedeutet nicht, dass die Operation schlecht gemacht wurde. Er bedeutet, dass eine vorhandene Veranlagung sichtbar geworden ist.
Das gilt ausdrücklich auch für die Dupuytren-Operation selbst: Neue Knoten können in der Nachbarschaft des operierten Bereichs entstehen, im angrenzenden, zuvor gesunden Gewebe. Der Grund ist derselbe – und er erklärt zugleich, warum eine Operation die Krankheit nicht endgültig beseitigt: Chirurgische Eingriffe an der Hand entfernen lediglich das sichtbar veränderte Gewebe, behandeln jedoch nicht die genetische Veranlagung. Lokale Wundheilungs- und Entzündungsprozesse (Trauma) können daher bei veranlagten Patienten als Reiz wirken und das Entstehen neuer Knoten im angrenzenden, unbehandelten Gewebe (Disease Extension) begünstigen (Lanzetta & Morrison 1996; Elliot & Ragoowansi 2005; Kan et al. 2017).
Besonders gut untersucht ist dieser Zusammenhang beim schnellenden Finger. Eine aktuelle, sehr große Auswertung (Maasarani und Kollegen, Fachzeitschrift HAND, 2023) hat die Behandlung des schnellenden Fingers verglichen: Patienten, deren schnellender Finger operativ gelöst wurde, entwickelten anschließend häufiger und schneller eine neue Dupuytren-Erkrankung als Patienten, die zunächst eine Kortisonspritze erhielten. Die Gruppe mit Kortisonbehandlung schnitt dabei am günstigsten ab.
Für die Praxis heißt das: Wer einen schnellenden Finger hat und zur Dupuytren-Krankheit veranlagt sein könnte, sollte mit seinem Handchirurgen besprechen, ob zunächst eine Kortisonspritze sinnvoll ist. Sie kann die Beschwerden lindern, ohne den chirurgischen Reiz zu setzen – und senkt so möglicherweise das Risiko einer Knotenbildung. Muss am Ende doch operiert werden, ist das kein Widerspruch; es geht nur um die sinnvolle Reihenfolge.
Lässt sich eine Operation nicht vermeiden, kommt es auch auf die Technik an. Ich führe solche Eingriffe möglichst peripher und gewebeschonend durch, um eine unnötige Verletzung der Faserplatte in der Hohlhand zu vermeiden – also genau des Gewebes, von dem die Dupuytren-Knoten ausgehen. Nach meiner Erfahrung lässt sich der auslösende Reiz damit gering halten: Bei den so operierten Patienten habe ich bislang keine neu aufgetretenen Knoten gesehen. Das ist meine persönliche Beobachtung und kein Garantieversprechen – aber sie deckt sich mit dem, was wir über die Entstehung der Erkrankung wissen.
Dann ist das kein Grund, an einer „misslungenen“ Operation zu verzweifeln. Neue Knoten nach einem Eingriff sind ein verstandenes Phänomen; wie es weitergeht, hängt vom Verlauf ab und lässt sich in Ruhe beurteilen. Wie die Nachsorge nach den verschiedenen Verfahren aussieht, lesen Sie in der Übersicht zur Nachbehandlung bei Morbus Dupuytren..
Dumm gelaufen, OP misslungen? #gutlebenmitdupuytren
Gut leben mit Dupuytren 13. November 2022 13:57