Vor genau einem Jahr haben wir Herrn Hahn als ersten Patienten überhaupt mit der neuen DPT-Orthese versorgt. Damit ist sein Bericht etwas Besonderes: Er blickt nicht auf Wochen, sondern auf zwölf Monate Alltag mit der Schiene zurück – und er ist derjenige, an dem wir selbst zum ersten Mal gesehen haben, wie sich diese Versorgung über die Zeit entwickelt. In diesem Beitrag schildert Herr Hahn seine Erfahrungen mit der DPT-Orthese: vom gekrümmten Finger über die Behandlung bis zum heutigen Ergebnis, dazu ganz praktische Hinweise zum Anlegen und zur Pflege.
Als Herr Hahn zu uns in die Sprechstunde kam, stand sein Finger in einer deutlichen Fehlstellung. Greifen mit der rechten Hand war kaum noch möglich, ohne dass Probleme auftraten – beim Essen ebenso wie, besonders störend, bei der täglichen Arbeit am Computer. Für jemanden, der zudem leidenschaftlich Rennrad fährt, war die Krümmung auch am Rad ein echtes Hindernis: Das Schalten mit modernen Schalthebeln funktionierte mit dem gebeugten Finger nicht mehr sauber.
Für Herrn Hahn stand die Wahl zwischen einer größeren Operation – mit entsprechend langer Zeit ohne einsatzfähige Hand – und der von uns favorisierten, gewebeschonenden perkutanen Nadelfasziotomie (PNF). Er entschied sich für die PNF. Das Ergebnis war für ihn eindrücklich: Bereits drei Tage nach dem ersten Eingriff im April saß er wieder auf dem Rennrad – und konnte, anders als zuvor, wieder normal schalten.
Weil wir das Gefühl hatten, dass noch etwas mehr möglich sei, folgte eine zweite PNF-Behandlung. Von einem Ausgangswert, den Herr Hahn im Rückblick auf rund 80 Prozent beziffert, ging es damit auf etwa 90 Prozent. Den letzten Schritt übernahm dann die DPT-Orthese.
Kurz zum Prinzip: Die DPT-Orthese arbeitet mit sanftem, kontinuierlichem Zug und streckt den Finger über die Zeit weiter aus, statt ihn mit Kraft zu biegen.
Wie die Orthese genau funktioniert und wie sie entstanden ist, lesen Sie ausführlich hier, sowie in der Darstellung der Geschichte dieser besonderen Methode.
Ein Jahr nach der Orthesenversorgung fällt Herrn Hahns eigenes Fazit sehr deutlich aus. Wo er nach den beiden PNF-Behandlungen bei etwa 90 Prozent stand, bringt er es heute – in seinen eigenen Worten – auf „99,9 Prozent“, bewusst nicht ganz auf die vollen 100 fixiert. Auch das Beugen bereitet ihm keinerlei Probleme, und eine Rückkehr in den alten, gekrümmten Zustand ist ausgeblieben.
So überzeugend das Ergebnis, so ehrlich schildert Herr Hahn den Weg dorthin. Am Anfang war die Schiene gewöhnungsbedürftig: Mehr als etwa zwei Stunden am Stück ließen sich zunächst nicht tragen, an der Oberseite entstanden spürbare Druckstellen, begleitet von einem kurzen, stechenden Schmerz. Wichtig ist seine Beobachtung über die Zeit: Diese Anlege- und Druckprobleme wurden nicht etwa schlimmer, sondern deutlich weniger – die Hand hat sich an die Orthese gewöhnt.
Heute trägt die Schiene sichtbare Gebrauchsspuren; sie ist ein selbstverständlicher Teil seines Alltags geworden. Die von unserem Orthopädietechniker (Herr Gruber) eingestellte Grundposition hat Herr Hahn unverändert beibehalten – dafür sind an der Orthese Markierungen angebracht, mit denen sich dieselbe Stellung zuverlässig wiederfinden lässt.
Für das Anlegen hat er sich mit der Zeit eine eigene, für ihn einfachere Routine zurechtgelegt, statt Vorder- und Hinterteil jedes Mal zu trennen:
Auf die Frage, ob er die Orthese weiterempfehlen würde, ist Herr Hahn eindeutig: Grundsätzlich solle jeder den Versuch wagen, weil sie für ihn persönlich eine enorme Verbesserung gebracht habe. Zugleich benennt er selbst die Grenzen im Alltag. Wer beruflich sehr viel mit schwerem Werkzeug hantiert – sein Beispiel ist ein Handwerker auf dem Bau –, werde mit hoher Wahrscheinlichkeit Schwierigkeiten haben, die Orthese zu tragen. Und auch wer acht Stunden am Computer sitzt, müsse sich erst daran gewöhnen oder komme womöglich zu dem Schluss, dass sie nichts für ihn ist. Es ist also, wie so oft, eine Frage der individuellen Lebensumstände.
So beeindruckend und optimistisch Herr Hahns Sicht ist – aus ärztlicher Perspektive dürfen wir an dieser Stelle nicht ganz so weit gehen. Wir stehen mit der DPT-Orthese noch am Anfang unserer Erfahrungen und brauchen eine breitere, zuverlässigere Basis, bevor wir uns in vergleichbarer Weise äußern. Herrn Hahns Verlauf ist ein einzelnes, sehr erfreuliches Beispiel: ermutigend, aber noch nicht verallgemeinerbar. Genau deshalb dokumentieren wir solche Erfahrungsberichte sorgfältig – und bleiben bei der Bewertung bewusst zurückhaltend.
Wir danken Herrn Hahn herzlich, dass er ein Jahr nach seiner Versorgung noch einmal zu uns gekommen ist und seine Erfahrungen so offen geteilt hat.
Mehr zur Methode: unsere Übersicht zur Orthese und die Beschreibung des Prinzips dahinter. Wenn Sie Ihre eigene Situation einschätzen lassen möchten, können Sie sich hier einen Überblick verschaffen.