Zu einem vollständigen Aufklärungsgespräch gehört die Risikoaufklärung: Welche Komplikationen sind bei einer fachgerecht durchgeführten Behandlung überhaupt denkbar? In diesem Beitrag gehe ich die Risiken der Dupuytren-Behandlung für die verschiedenen Verfahren durch. Dass die Risikoaufklärung nur ein Baustein eines größeren Ganzen ist, habe ich als Teil des Aufklärungsgesprächs an anderer Stelle beschrieben.
Im Aufklärungsgespräch geht es nicht nur um allgemein denkbare Komplikationen, sondern immer auch um Ihren ganz konkreten Fall. Haben Sie weitere Erkrankungen, die wir bedenken müssen? Gab es bei früheren Eingriffen schon einmal Probleme? Sind die Hautverhältnisse an der zu operierenden Hand günstig, zeigen die Verhärtungen starke Verwachsungen ins umgebende Gewebe? Solche Faktoren verschieben das Bild – die theoretischen Häufigkeiten aus der Literatur lassen sich also nicht eins zu eins auf Sie übertragen.
Daraus folgt ein wichtiger Satz: Die Methode mit dem geringsten Komplikationsrisiko ist nicht automatisch die beste Wahl für Sie. Und zwei Dinge gehören ebenfalls in die Aufklärung – die Sicherungsaufklärung (manche Probleme entstehen erst später durch das Verhalten nach der Behandlung) und die Frage, welche Nachteile es hätte, wenn Sie sich gegen den vorgeschlagenen Eingriff entscheiden.
Ein Hinweis vorweg: Hier geht es ausschließlich um Komplikationen, nicht um die erwünschten Wirkungen und deren Haltbarkeit. Die unterscheiden sich zwischen den Verfahren ebenfalls stark und gehören in den Nutzen und Haltbarkeit der Verfahren-Vergleich – nicht in diesen Risiko-Beitrag.
Perkutane Nadelfasziotomie (PNF). Sie ist ausgesprochen komplikationsarm; in großen Auswertungen über viele tausend Fälle treten schwere Komplikationen nur selten auf. Rein theoretisch kann einmal eine Nerven- oder Sehnenverletzung vorkommen, doch darin ist sich die Literatur einig: Das ist die große Ausnahme. Kritisch wird die [Nadelfasziotomie] vor allem dann, wenn sie an einer Stelle eingesetzt wird, für die sie nicht gedacht ist – etwa innerhalb eines Fingers statt in der Hohlhand. Wie so oft in der Medizin kommt es darauf an, die richtige Technik am richtigen Ort zu wählen.
Enzymbehandlung (Kollagenase). In Europa können wir sie derzeit nicht durchführen; der Vollständigkeit halber steht sie in der Literatur aber mit im Vergleich. In einer europäischen Studie, an der ich selbst beteiligt war, war die Enzymbehandlung insgesamt gut verträglich – die häufigsten Begleiterscheinungen waren jedoch vorübergehende Reaktionen an der Einstichstelle: Schwellungen, Blutergüsse und kleine Hauteinrisse. Solche Blutergüsse verschwinden meist nach einigen Tagen von allein, bleiben aber ein nennenswertes Thema. Komplette Nervendurchtrennungen und Sehnenrisse traten dabei nicht auf; Schmerzen sind möglich.
Offene Operation. Auch hier muss mit einem Blutungsrisiko gerechnet werden, vor allem aber mit Schmerzen nach dem Eingriff – die glücklicherweise meist nicht dauerhaft sind. Verlaufende Strukturen wie Nerven und Blutgefäße können verletzt werden; das liegt in der Natur der Sache. Und weil die Haut eröffnet werden muss, besteht ein relativ hohes Infektionsrisiko.
So ungefähr muss in einem Aufklärungsgespräch über die Komplikationsmöglichkeiten der verschiedenen Methoden gesprochen werden. Welche Wahl in Ihrem Fall die beste ist, hängt aber nicht am geringsten Risiko allein, sondern am Abwägen von Risiken und Nutzen – und das gelingt am besten gemeinsam im Gespräch. Wie diese gemeinsame Abwägung aussieht, lesen Sie im Teil des Aufklärungsgesprächs; die Grundlagen dazu stehen im Hauptbeitrag Aufklärung und Einwilligung.
Welche Dupuytren-Behandlung hat die wenigsten Risiken? Die perkutane Nadelfasziotomie ist meist sehr komplikationsarm. Trotzdem gilt: Die risikoärmste Methode ist nicht automatisch die beste für Sie – entscheidend ist die Abwägung von Risiken und Nutzen im Einzelfall.
Ist die Nadelfasziotomie gefährlich? In der Regel nein – sie ist ausgesprochen komplikationsarm. Ein erhöhtes Risiko entsteht vor allem, wenn sie an einer ungeeigneten Stelle eingesetzt wird.
Sind die Risiken bei jedem Patienten gleich? Nein. Begleiterkrankungen, Hautverhältnisse und Verwachsungen beeinflussen die Risiken der Dupuytren-Behandlung – allgemeine Zahlen gelten nicht eins zu eins für den Einzelfall.
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Gut leben mit Dupuytren 5. April 2020 16:43