Viele Patienten nehmen an, die perkutane Nadelfasziotomie (PNF) sei „meine“ Methode. Das ist sie nicht – und die wahre Geschichte ist interessanter. Die Geschichte der Nadelfasziotomie beginnt lange vor mir, sie wurde von französischen Rheumatologen entwickelt und von den Handchirurgen zunächst lange abgelehnt.
Die Idee, den erkrankten Strang perkutan zu durchtrennen – also durch die Haut hindurch, ohne einen offenen Schnitt – ist erstaunlich alt. Der Londoner Chirurg Henry Cline führte 1787 als Erster eine solche perkutane Durchtrennung mit einem feinen Messer (Bistouri) durch; sein Schüler Astley Cooper wandte die Technik weiter an.
Derselbe Henry Cline hatte übrigens schon zehn Jahre zuvor, 1777, richtig erkannt, dass die Erkrankung nicht von den Beugesehnen ausgeht, sondern von der darüberliegenden Palmaraponeurose. Wer mehr über diese frühe Krankheitsgeschichte und den Namensgeber Guillaume Dupuytren wissen möchte, findet das in einem eigenen Beitrag.
Der entscheidende Schritt zur heutigen Methode fiel in den 1970er-Jahren. Die französischen Rheumatologen Jean-Luc Lermusiaux und Debeyre griffen den alten Gedanken wieder auf und ersetzten das Messer durch die feine Spitze einer gewöhnlichen Kanüle: Damit lassen sich die verhärteten Stränge unter örtlicher Betäubung gezielt durchtrennen, ganz ohne Hautschnitt. Später wurde das Verfahren von Régis Badois und anderen verfeinert. Das ist die moderne perkutane Nadelfasziotomie, fachlich auch Nadelaponeurotomie genannt.
Als Lermusiaux und seine Kollegen die Methode in den 1970er- und 1980er-Jahren in Frankreich bekannt machten, stießen sie in der etablierten Chirurgie auf massive Skepsis und aktiven Widerstand. Dafür gab es drei Gründe:
Erst als Langzeitdaten zeigten, dass die Komplikationsrate bei erfahrener Anwendung sehr gering und die Zufriedenheit der Patienten wegen des minimalinvasiven Eingriffs sehr hoch ist, setzte sich die Methode auch unter Handchirurgen durch. Heute gilt sie in internationalen Leitlinien und bei Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie als anerkanntes Verfahren – besonders bei früheren bis mittleren Stadien der Verkrümmung (vor allem am Grundgelenk), bei älteren oder risikobehafteten Patienten, für die eine Narkose oder große Operation zu belastend wäre, und bei Menschen, die eine sehr kurze Erholungszeit brauchen: Die Hand ist meist schon nach wenigen Tagen wieder benutzbar.
Viele Chirurgen sehen die Nadelfasziotomie dabei als Ergänzung zur offenen Operation, nicht als vollständigen Ersatz – wegen der höheren Rückfallrate. Aus meiner Sicht ist genau diese Abwägung der Kern einer guten Beratung: Das schonende Verfahren zuerst, wo es sinnvoll ist, und die Operation dort, wo sie den dauerhafteren Nutzen bringt.
Was die Nadelfasziotomie ist und wie sie im Einzelnen abläuft, lesen Sie in der Übersicht zur perkutanen Nadelfasziotomie.