Viele Patientinnen und Patienten mit Morbus Dupuytren kennen nicht nur die Knoten und Stränge in der Hohlhand, sondern auch harte Knoten über den Fingerknöcheln – die sogenannten Knöchelpolster oder Garrod-Knoten. Sie drücken, schmerzen und stören beim Greifen, und für viele sind sie auch kosmetisch belastend. Eine anerkannte Standardbehandlung gibt es bislang nicht. Ob eine Strahlentherapie bei Knöchelpolstern helfen kann, zeigt eine aktuelle Fallserie aus den USA – eingereicht für den International Dupuytren Award –, die ich Ihnen hier vorstelle.
Knöchelpolster sind faserige Knoten über den Streckseiten der Finger, meist über den Mittelgelenken. Sie treten häufig gemeinsam mit Morbus Dupuytren oder mit Morbus Ledderhose auf; deshalb spricht man auch von „dorsalen Dupuytren-Knoten“. Typische Beschwerden sind Druckschmerz, ein eingeschränkter Faustschluss und die sichtbare, kosmetisch störende Vorwölbung. Das eigentliche Problem: Es fehlt ein anerkannter Standard. In der Literatur finden sich vor allem Einzelfallberichte – Operation, Laser, Salben, Steroid- oder 5-Fluorouracil-Injektionen –, und speziell zur Bestrahlung gab es bisher kaum systematische Daten. Wer über die operative Alternative nachdenkt, findet dazu einen eigenen Beitrag zur operativen Entfernung der Knöchelpolster.
Stark und Kolleginnen werteten neun Patientinnen und Patienten aus, die wegen symptomatischer Knöchelpolster bestrahlt wurden. Alle hatten zusätzlich einen Morbus Dupuytren oder eine plantare Fibromatose. Das mediane Alter lag bei 56 Jahren (Spanne 42–63), sieben Frauen, zwei Männer. Acht der neun wurden gleichzeitig an den Handflächen bestrahlt, einige zusätzlich an den Fußsohlen. Die Nachbeobachtung reichte von drei bis zwölf Jahren, im Median neun Jahre. Das Schema orientierte sich an der Bestrahlung des frühen Dupuytren: meist 30 Gray in zehn Sitzungen, aufgeteilt in zwei Blöcke mit sechs bis zwölf Wochen Pause. Verwendet wurden oberflächlich eindringende Elektronen (meist 6 MeV); die Felder erfassten die Knöchelpolster mit kleinem Rand und schonten die Umgebung. Es handelt sich also um eine spezialisierte Radiotherapie, die Erfahrung mit gutartigen Fibromatosen voraussetzt.
Am Befund selbst zeigte sich: Bei sieben von neun Patienten waren die Knöchelpolster verschwunden, abgeflacht oder zumindest stabil geblieben – drei mit vollständiger Rückbildung einzelner Knoten, zwei mit deutlich kleineren und flacheren Knoten, zwei ohne weiteres Wachstum. Ein Patient hatte an einer Hand eine Besserung, an der anderen neue oder größere Knoten; bei einem weiteren nahmen die Knoten zu. Noch wichtiger als das Aussehen ist meist das Beschwerdebild: Acht von neun berichteten weniger Schmerzen, weniger Druckempfindlichkeit oder sogar völlige Beschwerdefreiheit. Nur eine Person beschrieb einen unveränderten Befund. Für eine seltene, aber belastende Erkrankung ist das ein bemerkenswerter Anteil.
Die Nebenwirkungen waren mild: ein Patient hatte vorübergehend trockene Haut im bestrahlten Bereich, zwei zeitweise eine stärkere Druckempfindlichkeit. Schwere Komplikationen traten nicht auf. Die meisten waren mit dem Ergebnis zufrieden oder sehr zufrieden. Das bedeutet nicht, dass eine Bestrahlung harmlos oder immer die richtige Wahl ist – aber in dieser Serie war sie gut verträglich.
Eine Strahlentherapie kann eine Option sein, wenn Knöchelpolster deutlich schmerzen, die Funktion einschränken oder stark belasten und andere Maßnahmen nicht geholfen haben. Zugleich gilt: Dies ist eine kleine Fallserie, keine große randomisierte Studie, und langfristige Risiken einer Bestrahlung müssen immer mitbedacht werden. Sinnvoll ist die Behandlung nur in Zentren mit Erfahrung in gutartigen Strahlentherapie-Indikationen wie Dupuytren und Ledderhose. Wie gut die Strahlentherapie bei Dupuytren insgesamt wissenschaftlich belegt ist – und was das IQWiG dazu sagt –, habe ich an anderer Stelle ausführlich eingeordnet.
Diese Arbeit ist eine Fallserie, keine Vergleichsstudie: Es gibt keine Kontrollgruppe, und die Patientenzahl ist klein. Genau das ist ein häufiger Kritikpunkt an Veröffentlichungen zur Strahlentherapie bei Dupuytren und verwandten Erkrankungen, und international besteht durchaus Skepsis, wie belastbar solche Daten sind. Die Ergebnisse sind ein interessanter Hinweis, aber kein endgültiger Beweis – und sie ersetzen keine sorgfältige, individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung.
Wenn Sie unter schmerzhaften Knöchelpolstern leiden und bisher keine zufriedenstellende Behandlung gefunden haben, sprechen Sie mit einer spezialisierten Hand- oder Strahlentherapie-Praxis darüber, ob diese Option für Sie infrage kommt. Weitere Sonderformen und verwandte Erkrankungen des Morbus Dupuytren habe ich in der Übersicht zusammengestellt.
Strahlentherapie bei Knöchelpolster @duplife
Gut leben mit Dupuytren 5. April 2026 14:00