Manchmal tritt krankhaft verändertes Bindegewebe genau dort auf, wo es normalerweise nicht hingehört. Beim Morbus Dupuytren kennt man solche „ektopen“ Herde an drei typischen Stellen außerhalb der Handinnenfläche: an den Fußsohlen (Morbus Ledderhose), am Penis (Induratio penis plastica) und auf der Streckseite der Finger. Diese Verhärtungen über den Fingergelenken nennt man Knöchelpolster.

Die Schätzungen, wie viele Dupuytren-Betroffene zusätzlich Knöchelpolster entwickeln, schwanken in der Fachliteratur erheblich – zwischen etwa 7 und 44 Prozent. Besonders Männer skandinavischer Herkunft scheinen betroffen zu sein. Die Diagnose lässt sich meist recht sicher stellen, weil diese Patienten praktisch immer auch die typische Dupuytren-Veränderung in der Hohlhand aufweisen. Endgültige Gewissheit bringt allerdings erst die feingewebliche Untersuchung, wenn sich die charakteristischen Merkmale der Erkrankung nachweisen lassen.
Die Haut über den Fingerknöcheln muss selbst einen maximal gebeugten Finger noch spannungsfrei bedecken. Bei Streckung wird sie wie ein Faltenbalg zusammengeschoben. Weil diese Hautpartie nur locker mit dem darunterliegenden Gewebe verwachsen ist, bietet sie reichlich Raum für einen Bindegewebsknoten. Betroffen ist fast immer das Mittelgelenk, besonders häufig am Zeigefinger und oft an beiden Händen.
Viele Betroffene bemerken die Veränderung gar nicht – nur etwa die Hälfte entwickelt überhaupt Beschwerden: Druckschmerz von außen, Störungen beim Beugen des Fingers oder das Problem, den Ring nicht mehr tragen zu können. Erst dann sollte man über eine Behandlung nachdenken. Umgekehrt gilt: Von einer Operation beschwerdefreier Knöchelpolster ist abzuraten – ein Rückfall an derselben Stelle ist zwar ungewöhnlich, grundsätzlich aber möglich.
Das gängigste Verfahren ist, den Knoten – wie bei der typischen Dupuytren-Operation – schonend aus seiner Umgebung herauszulösen. Dabei sollen die bedeckende Haut ebenso wie die darunterliegende Strecksehne erhalten bleiben und die Narbe möglichst unscheinbar sein, ohne den späteren Bewegungsablauf zu stören.
Der Eingriff erfolgt ambulant in örtlicher Betäubung des betroffenen Fingers. Ein Gummiring über dem Finger unterbricht kurzzeitig den Blutstrom und verbessert so die Übersicht. Für den Zugang bieten sich die queren Hautfältchen über dem Gelenk an. Weil die Haut hier dünn und empfindlich ist, arbeite ich mit feinen Haltefäden und einem feinen Skalpell statt mit groben Instrumenten – so lässt sich der Knoten unter guter Sicht aus der Tiefe entfernen.
Nach der Entfernung kann an der Stelle des Knotens ein Hohlraum zurückbleiben, der sich mit Flüssigkeit füllt. Das möchte man vermeiden, denn es begünstigt eine ungünstige Narbenbildung oder eine Infektion. Deshalb verschließe ich diesen Raum mit inneren, selbstauflösenden Nähten. In den ersten Tagen kann die Haut dadurch etwas gerafft wirken – das gibt sich wieder.
Nach etwa drei Wochen ist die Haut stabil verheilt und die Beweglichkeit normal. Die Narbenqualität lässt sich zusätzlich mit Silikonhülsen verbessern. Die medizinische Fachliteratur zeigt übereinstimmend günstige Ergebnisse: Die Patienten sind anschließend fast immer beschwerdefrei und behalten eine normale Beweglichkeit. Ein Patient schrieb mir drei Monate nach dem Eingriff, er habe keine Beschwerden mehr im Fingergelenk und sei sehr zufrieden.
Verfahren, die sich bei der typischen Dupuytren-Erkrankung in der Hohlhand bewährt haben – etwa die Nadelfasziotomie oder eine Injektionsbehandlung –, sind bei Knöchelpolstern nicht sinnvoll. Die unmittelbar benachbarten Strukturen, vor allem die Strecksehne, sind zu zart und würden dabei geschädigt. Für die Behandlung von Knöchelpolstern bleibt daher das gezielte, gewebeschonende Herauslösen des Knotens das Mittel der Wahl.
Operation bei Knöchelpolster @duplife
Gut leben mit Dupuytren 7. August 2020 17:02