Nachtschiene bei Dupuytren: Sinn, Grenzen und richtige Anwendung

Nach einer Nadelfasziotomie versorgen wir beim Morbus Dupuytren viele Patienten mit einer Nachtschiene. Warum wir das tun, was eine solche Schiene leisten soll – und ganz bewusst nicht leisten soll –, möchte ich Ihnen hier in Ruhe erklären. Vorweg möchte ich nicht verschweigen: Diese Behandlung wird nicht überall empfohlen, denn überzeugende wissenschaftliche Belege für einen Vorteil fehlen bislang.

Warum eine Nachtschiene bei Dupuytren nach der Nadelfasziotomie?

Anders als bei der Operation wird bei der perkutanen Nadelfasziotomie das erkrankte Gewebe nicht entfernt. Es werden lediglich die Stränge, die unter Spannung stehen, durchtrennt. Fällt diese Spannung weg, weichen die Strangenden auseinander, und die Verhärtungen können sich mit der Zeit sogar von selbst zurückbilden.

Nun stellt sich eine berechtigte Frage: Was geschieht nachts, wenn die Hand entspannt ist? In Ruhe sind die Finger leicht gebeugt. Es liegt nahe, dass sich die durchtrennten Strangenden dabei wieder einander annähern und erneut verbinden könnten. Wir wissen zudem, dass fünf Jahre nach einer Nadelfasziotomie bei einem großen Teil der Behandelten die Beugung an mindestens einem Gelenk wieder um 30 Grad oder mehr zunimmt. Aus dieser Überlegung heraus ließ Dr. Meinel eine Nachtlagerungsschiene in Handschuhform entwickeln, die die behandelten Finger im Schlaf in Streckstellung hält.

Was die Nachtschiene leisten soll – und was nicht

In der Standardform stützt eine Metalleinlage Mittel-, Ring- und Kleinfinger in Streckstellung; Daumen und Zeigefinger bleiben frei beweglich, sodass Sie die Hand weiterhin zum Greifen benutzen können.

Entscheidend ist der Gedanke dahinter: Die Nachtschiene soll keinen zusätzlichen Zug ausüben und keine weitere Streckung erzwingen. Das würde dem Prinzip der Spannungsminderung widersprechen – und dauerhafter Zug kann erkranktes Gewebe eher reizen als beruhigen. Aus demselben Grund raten wir auch von anhaltenden Dehnübungen ab. Wenn nach der Behandlung noch eine leichte Streckblockade im Gelenk verbleibt, sollte die Nachtschiene den Finger deshalb bewusst nicht in voller Streckung halten. Dann passen wir die Metalleinlage so an, dass die Hand ohne Widerstand ruht. Der Handschuh wird schließlich im Schlaf getragen und darf keine Schmerzen verursachen, die die Nachtruhe stören. Ziel ist immer, den behandelten Finger in der aktiv erreichbaren Öffnung spannungs- und schmerzfrei zu lagern – das lässt sich mit der Zeit auch noch nachjustieren.

Wie lange und wie oft Sie die Nachtschiene tragen

Der Handschuh gehört ausschließlich in die Nacht. Würden Sie ihn 24 Stunden am Tag tragen, riskieren Sie das Gegenteil: ein Einsteifen der Gelenke in Streckstellung und eine eingeschränkte Beugefähigkeit. Manche Patienten berichten von einer gewissen Morgensteifigkeit; sie lässt sich in wenigen Minuten durch Bewegung ausgleichen, etwa im warmen Handbad bei der Morgentoilette.

Es gibt die Nachtschiene in verschiedenen Materialien und Größen, außerdem Modelle, deren Metalleinlage auf der Greifseite der Hand liegt – viele Patienten empfinden diese als angenehmer. Lassen Sie sich hier gut beraten und ein passendes Modell anpassen; ich empfehle dafür ein Sanitätshaus, das die verschiedenen Ausführungen auch vorrätig hat.

Was die Studienlage zur Nachtschiene sagt

Ich möchte Ihnen nichts vormachen: Belastbare Daten fehlen. Mir ist nur eine einzige Untersuchung bekannt, die diese Frage gezielt geprüft hat – eine Aktenauswertung aus Toronto. Dort wurden Patienten nach Nadelfasziotomie mit und ohne Nachtschiene verglichen. Am Ende blieben nur wenige vollständig dokumentierte Fälle übrig, und ein Vorteil für die Schienengruppe ließ sich nicht nachweisen. Aus so kleinen Stichproben lassen sich keine verlässlichen Schlüsse ziehen – weder für noch gegen die Schiene. Auch die sinnvolle Tragedauer ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Einzelne meiner Patienten nutzen ihre Nachtschiene allerdings seit vielen Jahren mit gutem Gefühl.

Die Nachtschiene ist damit ein Baustein der Schienen- und Zugbehandlung bei Dupuytren und ordnet sich in die Überlegungen ein, wie sich das Ergebnis nach einer Nadelfasziotomie sichern lässt. Ob eine Schiene für Sie infrage kommt, besprechen wir am besten individuell.