Kollagenase bei Morbus Dupuytren: Warum USA und Deutschland nicht mehr vergleichbar sind

Bei der Behandlung der Dupuytren-Krankheit gibt es zwei minimalinvasive Verfahren, die oft verglichen werden: die Kollagenase-Injektion (Enzymtherapie) und die perkutane Nadelfasziotomie (PNF). Dieser Beitrag zeigt, was die Kollagenase bei Dupuytren leistet – und warum sie in Deutschland heute keine Rolle mehr spielt.

Kollagenase bei Dupuytren: wie die Enzymtherapie wirkt

Die Kollagenase-Injektion wirkt gezielt auf das erkrankte Gewebe: Sie kann den verhärteten Strang auflösen und so die Beweglichkeit des Fingers verbessern. Allerdings bleibt umliegendes Gewebe unverändert, und es bestehen Risiken, wenn Nerven in der Nähe liegen.

Die PNF verfolgt ein ähnliches Ziel, nämlich die Durchtrennung des straffenden Bindegewebsstrangs, ohne das Gewebe vollständig zu entfernen. Beide Verfahren zeigen in Studien insgesamt vergleichbare Ergebnisse, weshalb keine klare Überlegenheit einer Methode nachweisbar ist. Einen ausführlichen Vergleich aller Optionen finden Sie im Beitrag OP, Nadel oder Spritze?

Ein wichtiger Unterschied liegt im Risiko:

  • Bei der PNF besteht ein mögliches Risiko einer Nervenverletzung, insbesondere bei atypischen anatomischen Verläufen.
  • Die Enzymtherapie kann in bestimmten Situationen eine Alternative sein, da sie Nervenstrukturen weniger betrifft.

Warum die Kollagenase in Deutschland nicht mehr verfügbar ist

In den USA ist die Enzymtherapie (dort als Xiaflex) weiterhin verfügbar und wird sogar zunehmend eingesetzt. In Deutschland und der gesamten EU ist die Kollagenase-Injektion dagegen seit März 2020 nicht mehr regulär verfügbar– der Hersteller hat die Zulassung damals aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen, nicht wegen Sicherheits- oder Wirksamkeitsbedenken. Möglich ist allenfalls ein aufwändiger Einzelimport, weshalb in der Praxis die PNF und operative Verfahren im Vordergrund stehen.

Insgesamt hängt die Wahl der Methode weniger von einer generellen Überlegenheit ab, sondern von Indikation, Anatomie, Erfahrung des Behandlers und Verfügbarkeit. Für Patientinnen und Patienten in Deutschland bedeutet das: Auch ohne die Enzymtherapie steht mit der PNF und der offenen Operation eine wirksame und gut verfügbare Versorgung bereit. Ob die Kollagenase eines Tages nach Europa zurückkehrt, bleibt abzuwarten – die minimalinvasiven Verfahren dürften bei der Behandlung des Morbus Dupuytren aber weiter an Bedeutung gewinnen.