Morbus Dupuytren: Stadien nach Tubiana einfach erklärt

Neulich schrieb mir jemand: „Ich habe Dupuytren im Stadium 2 – was bedeutet das eigentlich, und wie viele Stadien gibt es überhaupt?“ Genau darum geht es hier. Die Dupuytren Stadien nach Tubiana sind das System, mit dem Fachleute den Schweregrad Ihrer Erkrankung einordnen. Es klingt zunächst technisch, folgt aber einem einfachen Grundgedanken – und wenn Sie ihn einmal verstanden haben, können Sie Ihren eigenen Befund viel besser einschätzen.

Was die Dupuytren Stadien nach Tubiana messen

International hat sich vor Jahrzehnten das von Tubiana und Michon vorgeschlagene System durchgesetzt. Es richtet sich nicht nach der Größe der Knoten oder Stränge, sondern allein nach dem Grad der Beugefehlstellung – genauer: nach dem Ausmaß der Streckblockade.

Gemeint ist damit der Winkel, um den sich ein Finger wegen der Erkrankung nicht mehr geradestrecken lässt. Anders als bei einer verletzten Strecksehne, bei der ein Helfer den Finger von außen noch aufbiegen kann, bleibt die Blockade beim Morbus Dupuytren auch bei passiver Streckung bestehen: Das verhärtete Gewebe hält den Finger fest.

Jeder Finger hat drei Gelenke, und die Erkrankung kann eines davon betreffen oder mehrere gleichzeitig. Um die Sache übersichtlich zu halten, betrachtet man alle Gelenke eines Fingers zusammen und addiert die einzelnen Blockadewinkelzu einer Summe. Diese Summe entscheidet über das Stadium.

Die vier Stadien im Überblick

Das System schreitet in Stufen von jeweils 45 Grad voran:

  • Stadium 1 – Blockadesumme bis 45 Grad. Ein Beispiel: Ein einzelnes Gelenk ist um 30 Grad blockiert, die beiden anderen sind frei. Ob diese 30 Grad im Grundgelenk, im Mittelgelenk oder verteilt auf mehrere Gelenke bestehen, spielt für die Einstufung keine Rolle – die Summe zählt.
  • Stadium 2 – Blockadesumme zwischen 45 und 90 Grad.
  • Stadium 3 – Blockadesumme zwischen 90 und 135 Grad. Dieser Bereich ist nur erreichbar, wenn mindestens zwei Gelenke betroffen sind.
  • Stadium 4 – alles über 135 Grad. Das sind die stärksten Verkrümmungen; rechnerisch sind bei drei rechtwinklig gebeugten Gelenken bis zu 270 Grad denkbar.

Eine Einschränkung ist für die Behandlung besonders bedeutsam: Eine ausgeprägte Blockade im Mittelgelenk ist meist schwerer zu korrigieren als eine gleich große Fehlstellung im Grundgelenk. Erreicht die Beugefehlstellung dort 70 Grad oder mehr, wird die Einstufung mit einem Pluszeichen ergänzt.

Ausgeprägte Beugekontrakturen der Finger bei fortgeschrittenem Morbus Dupuytren im Stadium IV
Ausgeprägte Beugekontrakturen der Finger bei fortgeschrittenem Morbus Dupuytren im Stadium IV

Warum immer nur ein einzelner Finger zählt

Ein wichtiger Punkt, der oft zu Missverständnissen führt: Die Stadieneinteilung bezieht sich stets auf einen einzelnen Finger – nicht auf die ganze Hand. Wenn also von „Stadium 2″ die Rede ist, ist damit üblicherweise der am stärksten veränderte Finger gemeint. Andere Finger derselben Hand können völlig unauffällig oder nur leicht betroffen sein.

Auch der Daumen lässt sich erfassen, obwohl er streng genommen kein Finger ist und nur zwei Gelenke besitzt. Bei ihm kommt eine Besonderheit hinzu: Seine große Beweglichkeit im Sattelgelenk kann ebenfalls eingeschränkt sein, sodass die Abspreizfähigkeit verloren geht. Beugefehlstellung und eingeschränktes Abspreizen werden beim Daumen getrennt betrachtet.

Feinheiten der Tubiana-Klassifikation – und ihre Grenzen

Bis hierhin ist das System gut nachvollziehbar. Es lässt sich aber noch weiter verfeinern: Mit Zusatzbuchstaben können Besonderheiten gekennzeichnet werden – etwa ein R für ein Rezidiv, also ein erneutes Auftreten der Krümmung nach einer bereits erfolgten Operation. Tubiana hat außerdem vorgeschlagen, die Stadien als Punktwerte zu verrechnen, um ein Maß für die gesamte Hand zu erhalten. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel der Erfolg einer Behandlung in Zahlen ausdrücken.

In der Praxis werden diese feinen Codierungen allerdings kaum vollständig angewandt. Je detaillierter man jede erdenkliche Erscheinungsform eindeutig beschreiben will, desto komplizierter – und fehleranfälliger – wird das System. Im Alltag spricht man deshalb meist schlicht von einem Stadium 1 oder 2 und meint damit den Grad der Verkrümmung des am stärksten betroffenen Fingers.

Für Sie als Patientin oder Patient ist die Botschaft entscheidend: Das Stadium beschreibt, wie weit die Streckblockade fortgeschritten ist – nicht, ob oder wie dringend behandelt werden muss. Das ist eine gesonderte Abwägung, bei der neben dem Stadium auch das betroffene Gelenk, der Verlauf und Ihre persönliche Beeinträchtigung im Alltag zählen. Einen Überblick über das Krankheitsbild finden Sie auf der Seite Morbus Dupuytren; wie die einzelnen Verfahren im Vergleich abschneiden, lesen Sie unter OP, Nadel oder Spritze?.