Ähnlich wie an der Greifseite der Mittelhand findet sich auch unter der Fußsohle eine straffe Faserplatte. Beide können Ausgangspunkt knotiger Verhärtungen sein: An der Hand spricht man dann vom Morbus Dupuytren, am Fuß vom Morbus Ledderhose. Der Name geht auf den deutschen Arzt Georg Ledderhose zurück, der 1897 über 50 solcher Fälle berichtete – seither ist die Erkrankung mit seinem Namen verbunden. Der Morbus Ledderhose zählt zu den Sonderformen und verwandten Erkrankungen des Morbus Dupuytren.
Über die Entstehung der Knoten ist wenig gesichert bekannt, und auch die genaue Zahl der Betroffenen kennt man nicht. Typisch ist ein Beginn im mittleren Lebensalter, häufiger bei Männern; ein beidseitiger Befall ist nicht die Regel. Oft besteht gleichzeitig ein Morbus Dupuytren oder eine andere Erkrankung, die vermehrt Bindegewebsfasern bildet – außerdem gibt es Hinweise auf eine erbliche Veranlagung. Die Knoten liegen meist an der Innenseite der Fußsohle im mittleren Bereich, zwischen Großzehenballen und Ferse. Anders als beim Morbus Dupuytren an der Hand treten Verkrümmungen der Zehen normalerweise nicht auf.
Viele Patienten berichten über Druckbeschwerden im Bereich der Knoten; ebenso können diese aber völlig schmerzlos bestehen. Im ungünstigsten Fall lässt sich der Fuß nicht mehr voll belasten. Eng anliegende Schuhe können die Beschwerden verstärken, ebenso langes Barfußgehen oder Stehen. Kommen neue Knoten hinzu, nehmen die Beschwerden oft weiter zu.
Schon die Betrachtung des belasteten Fußes ist wegweisend. Wichtig ist, auch die Beweglichkeit im oberen und unteren Sprunggelenk zu prüfen, denn Probleme der Wadenmuskulatur oder der Achillessehne können ganz ähnliche Beschwerden verursachen. Neben der Fibromatose des Fußes kommen weitere Ursachen für Beschwerden in dieser Region in Frage, wie unerkannte Knochenverletzungen, Nervenengpass-Erkrankungen oder Entzündungen. Bildgebende Verfahren wie die Kernspintomographie (MRT) oder der Ultraschall können die Diagnose sichern, sind in den meisten Fällen aber nicht zwingend erforderlich. Auch die Abgrenzung gegenüber einer bösartigen Erkrankung ist nur selten notwendig.
Da die Beschwerden meist gering sind, wird zunächst in der Regel nicht operiert. Mehrere Verfahren stehen zur Verfügung.
Ein Ansatz ist die medikamentöse Behandlung: Ähnlich wie bei Narbenwucherungen der Haut kann Kortison in die Knoten gespritzt werden – in jüngerer Zeit auch in Kombination mit Verapamil, einem Medikament, das sonst aus der Behandlung von Blutdruck- und Herzerkrankungen bekannt ist. Die bisherigen Erfahrungen mit diesem Ansatz sind allerdings wenig ermutigend.
Auch die Strahlentherapie wird eingesetzt, obwohl nur wenige wissenschaftliche Studien vorliegen und der genaue Wirkmechanismus unklar ist. Die Vorstellung: Die Aktivität der Bindegewebszellen soll gemindert und so – vor allem im Frühstadium – die Ausbildung großer Knoten gebremst werden.
Zu den neueren Ansätzen zählt die Stoßwellentherapie, über die berichtet wird, die in der Breite aber noch nicht angeboten werden kann. Auch Tamoxifen zeigt experimentell vielversprechende Effekte auf Bindegewebszellen, steht für die Behandlung derzeit jedoch nicht zur Verfügung. Die Kollagenase-Behandlung, die vor gut zehn Jahren die nicht-operativen Möglichkeiten beim Morbus Dupuytren erweitert hatte, ließ am Fuß keine vergleichbare Wirkung erkennen; in Europa ist sie inzwischen ohnehin nicht mehr verfügbar.
Die Operation wird symptomatischen Patienten empfohlen, wenn andere Verfahren versagen oder sich Knoten besonders aggressiv entwickeln. Entfernt man nur die erkrankten Anteile, ist mit einer relativ hohen Rate neuer Knoten zu rechnen. Diese Quote ist etwas geringer, wenn man umgebendes Gewebe mitentfernt – doch selbst nach Entfernung der gesamten Faserplatte können neue Knoten nachwachsen. Das gilt besonders bei beidseitiger Erkrankung, multiplen Knoten und familiärer Häufung.
Wie bei jedem Eingriff müssen die möglichen Komplikationen bedacht werden – schon die Operationsnarbe an der Fußsohle will gut überlegt sein. Vor allem aber erfüllt die Faserplatte eine wichtige Aufgabe: Sie ist ein wesentlicher Stabilisator des Fußgewölbes und damit für ein normales Gangbild bedeutsam. Eine radikale Operation ist deshalb für die meisten Chirurgen heute keine gute Option. Diskutiert wird stattdessen, sparsam zu operieren und das erhöhte Risiko neuer Knoten durch eine ergänzende Strahlentherapie zu senken.
Die Aussicht, Knoten dauerhaft und mit wenig Aufwand aus dem Fuß zu entfernen, ist wenig vielversprechend. Die Strahlentherapie hat ihre Vorteile am ehesten im Frühstadium, solange noch keine großen Knoten entstanden sind. Eine Operation sollte nicht vorschnell erfolgen; sie ist vor allem dann gerechtfertigt, wenn Laufen und Stehen Schmerzen verursachen, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen – und auch dann sollte nicht übertrieben aggressiv vorgegangen werden.
Wenn Sie eine Beratung wünschen, ist es sinnvoll, sich an Ärzte zu wenden, die mit dieser Erkrankung besondere Erfahrung haben. Hilfreich sind die Seiten der Deutschen Dupuytren-Gesellschaft, auf denen Sie – nach Methoden getrennt – viele Experten finden. Über die Arztsuche der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie können Sie zudem gezielt Handchirurgen in Ihrer Nähe suchen.
Morbus Ledderhose: Knoten unter der Fußsohle – Ursachen, Diagnose und Behandlung @duplife
Gut leben mit Dupuytren 18. Juli 2020 19:38