Vor einiger Zeit bat mich ein Zuschauer meines YouTube-Kanals, etwas zur Stoßwellentherapie bei Dupuytren mit Stoßwellen zu sagen. Der Gedanke liegt nahe: Vor rund vierzig Jahren gelang es erstmals, Nierensteine mit Stoßwellen zu zertrümmern und den Betroffenen eine Operation zu ersparen. Warum sollte man nicht einfach Stoßwellen auf die Handfläche richten – und die Verhärtungen verschwinden?
So einfach ist es leider nicht. Es gibt aber eine interessante aktuelle Studie, die einen ersten Ansatz aufzeigt. Die ordne ich hier für Sie ein.
Eine Stoßwelle ist ein sehr kurzer, energiereicher Druckimpuls. In der Orthopädie wird die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) seit Langem angeboten, etwa bei Kalkschulter, Fersenschmerz oder Tennisellenbogen. Im Internet finden Sie zahlreiche Anbieter, die eine gesicherte Wirksamkeit beschreiben – manche sprechen sogar von einer erwiesenen Wirkung an der Hand.
Dem steht eine nüchternere Einschätzung gegenüber. Der IGeL-Monitor, der die Sicht der gesetzlichen Krankenkassen abbildet, stuft die Wirksamkeit bei mehreren dieser Anwendungen bislang als nicht belegt ein. Der Morbus Dupuytren taucht dort gar nicht erst auf. Für belastbare Aussagen braucht es kontrollierte Studien – also deutlich mehr als Erfahrungsberichte einzelner Patienten.
Genau eine solche Studie hat Professor Karsten Knobloch mit seinem Team an der Medizinischen Hochschule Hannover vorgelegt – die sogenannte DupuyShock-Studie. Untersucht wurden 52 Patienten im schmerzhaften Knotenstadium, aufgeteilt in zwei Gruppen: die eine erhielt eine echte hochenergetische Stoßwellenbehandlung in drei wöchentlichen Sitzungen, die andere eine Scheinbehandlung mit demselben Gerät, aber ohne wirksame Energieübertragung – also eine Placebo-Kontrollgruppe. Nachbeobachtet wurde über 18 Monate, mit Kontrollen nach 3, 6, 12 und 18 Monaten.
Schmerz lässt sich nicht objektiv messen; man ist auf die Einschätzung der Patienten angewiesen, üblicherweise über eine Schmerzskala. In dieser Hinsicht ist das Ergebnis recht eindeutig: In der behandelten Gruppe war der Schmerz nach eineinhalb Jahren deutlich geringer. Die zusätzlich eingesetzten Funktions-Fragebögen sind überwiegend nicht speziell für den Morbus Dupuytren entwickelt und zeigten keinen klaren Unterschied; in der Kontrollgruppe verschlechterten sich einzelne Werte, was sich auf das Fortschreiten der Erkrankung zurückführen lässt.
Man darf also vorsichtig sagen: Auf den Schmerz gibt es offenbar einen Effekt. Bis das allgemein anerkannt ist, braucht es aber weitere, unabhängige Studien. Erst dann ließe sich vielleicht erreichen, dass die Methode auch in der gesetzlichen Versorgung als wirksam gilt. So weit sind wir heute nicht.
Zwei Einschränkungen sind mir wichtig. Erstens: Es geht hier um Schmerzen – nicht um die Streckblockade. Einen krummen Finger wieder zu strecken, wie es die perkutane Nadelfasziotomie in wenigen Minuten leisten kann, ist nicht das Ziel einer Stoßwellenbehandlung bei Dupuytren.
Zweitens: Für die Mehrzahl der Dupuytren-Patienten sind Schmerzen ohnehin kein Thema. Manche verspüren einen störenden Juckreiz im Knoten, meist nur phasenweise, wenn die Erkrankung schubweise voranschreitet; viele fühlen sich durch Knoten und Stränge überhaupt nicht gestört. Für diejenigen aber, die tatsächlich unter Schmerzen leiden, kann der Gedanke attraktiv sein, ohne Medikamente mit Nebenwirkungen und ohne Operation Linderung zu finden.
Übrigens gibt es ähnliche Untersuchungen zur Stoßwellentherapie beim Morbus Ledderhose, der verwandten Erkrankung an der Fußsohle. Einen Überblick über diese und weitere Sonderformen und verwandten Erkrankungen des Morbus Dupuytren finden Sie in unserer Themenübersicht.
Ich bleibe an dieser Stelle neugierig, was die Forschung uns über diese Behandlungsform künftig berichtet – und halte Sie auf dem Laufenden.
Stoßwellen bei der Dupuytrenkrankheit - was können Sie erwarten? #gutlebenmitdupuytren
Gut leben mit Dupuytren 19. März 2023 18:00