Zufriedenheit nach Dupuytren-Behandlung: Was Patienten wirklich wichtig ist

Wann ist ein Patient nach einer Behandlung des Morbus Dupuytren wirklich zufrieden? Die Antwort fällt oft anders aus, als wir Chirurgen vermuten. Die Zufriedenheit nach Dupuytren-Behandlung hängt nämlich nicht allein davon ab, wie gerade sich ein Finger am Ende wieder strecken lässt.

Warum wir Patienten nach ihrer eigenen Sicht gefragt haben

2010 haben wir in Nürnberg den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie ausgerichtet. Gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Peter Schaller hatte ich das Programm zusammengestellt; besonders viele Beiträge widmeten sich dem Morbus Dupuytren. Wir probierten damals etwas Neues aus und luden zum ersten Mal einen Vertreter der Patienten ein, der uns die Erkrankung aus seiner Perspektive schildern sollte.

Schon dieser Perspektivwechsel war lehrreich. Anders als wir Operateure es uns manchmal vorstellen, fühlen sich viele Betroffene durch die Bewegungseinschränkung nur gering behindert. Sie leben oft lange mit gekrümmten Fingern, ohne einen Arzt aufzusuchen. Und auch das Ergebnis einer Behandlung bewerten Patienten häufig ganz anders als wir aus fachlicher Sicht.

Was die Studie aus den Niederlanden untersucht hat

Diese Beobachtung wurde inzwischen eindrucksvoll bestätigt. Eine niederländische Arbeitsgruppe hat über 16 Jahre mehr als 1.100 Patienten mit Morbus Dupuytren begleitet – behandelt entweder mit einer offenen Operation (Fasziektomie) oder mit einer Nadelfasziotomie. Die Patienten beurteilten ihre Hand jeweils vor der Behandlung und drei Monate danach.

Dafür verwendete die Gruppe den Michigan Hand Outcomes Questionnaire. Dieser Fragebogen erfasst nicht nur die naheliegenden Aspekte wie Schmerz, Funktion, Kraft und Beruf, sondern auch, wie zufrieden die Patienten mit dem Aussehen ihrer Hand sind – ein Punkt, den viele andere Fragebögen gar nicht abfragen.

Patientenzufriedenheit: nicht nur die Funktion zählt – auch das Aussehen der Hand

Für uns Handchirurgen steht üblicherweise die Wiederherstellung der Funktion im Mittelpunkt: bessere Beweglichkeit, mehr Kraft, ein geringeres Streckdefizit. Die Auswertung zeigte jedoch, dass die stärksten Veränderungen nicht nur beim Streckdefizit auftraten, sondern ebenso bei der Bewertung des Aussehens der Hand und bei der Zufriedenheit mit der Handfunktion.

Bemerkenswert war zudem, dass diese Bereiche nur schwach zusammenhingen. Ein besser gestreckter Finger bedeutete also nicht automatisch, dass ein Patient in allen Belangen zufriedener war. Die Autoren schlossen daraus, dass sich der Behandlungserfolg beim Morbus Dupuytren nicht auf die objektive Handfunktion allein reduzieren lässt.

Was Zufriedenheit nach Dupuytren-Behandlung ausmacht

Zur Zufriedenheit tragen viele Dinge bei: die Erwartungen, mit denen ein Patient kommt, seine Erfahrungen während der Behandlung sowie weitere psychologische und emotionale Faktoren. Dem einen ist eine möglichst konsequente, gründliche Versorgung wichtig; dem anderen ein möglichst schonendes, einfaches Vorgehen. Manche nehmen sich alle Zeit, andere haben keine.

Ich fühle mich durch diese Ergebnisse in einer Überzeugung bestätigt, die mich seit jenem Kongress begleitet: Man kann die Erkrankung nicht auf die betroffene Hand reduzieren. Damit ein Patient am Ende zufrieden ist, muss vieles zusammenkommen – und das Wichtigste ist, gemeinsam den für den einzelnen Menschen richtigen Weg zu erkennen. Deshalb steht bei mir am Anfang jeder Behandlung ein ausführliches Gespräch, in dem wir Erwartungen, Möglichkeiten und Grenzen offen besprechen.

👏 Wann ist ein Patient zufrieden? #gutlebenmitdupuytren

Gut leben mit Dupuytren 21. April 2020 21:07