Dupuytren Diagnose: Wie die Erkrankung sicher festgestellt wird

Woher weiß man eigentlich, dass es sich wirklich um Morbus Dupuytren  handelt – und nicht um etwas ganz anderes? Diese Frage beschäftigt viele Patienten. Die gute Nachricht vorweg: Die Dupuytren Diagnose lässt sich in aller Regel allein durch die klinische Untersuchung stellen. Ein erfahrener Handchirurg erkennt die typischen Knoten und Stränge zuverlässig, ohne dass aufwändige Geräteuntersuchungen nötig wären.

Prof. Reichert untersucht einen Patienten mit einer Dupuytren Kontraktur
Prof. Reichert untersucht einen Patienten mit einer Dupuytren Kontraktur

Die Dupuytren Diagnose stellt der Handchirurg durch Betrachten und Betasten

Studien, in denen unterschiedliche Ärzte dieselben Patienten untersucht und ihre Ergebnisse verglichen haben, zeigen ein bemerkenswert einheitliches Bild: Bei der typischen Erkrankung sind sich die Untersucher praktisch immer einig, Fehleinschätzungen sind selten. Die Untersuchungsergebnisse sind also sehr zuverlässig.

Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie schlicht die Untersuchung abläuft. Wir können die Hand lediglich betrachten und betasten. Mit einiger Übung genügt das jedoch, um die Veränderungen zu sehen, zu fühlen und richtig einzuordnen. Wichtig sind außerdem zwei Fragen: wie und wann die Veränderungen begonnen haben – und ob die Erkrankung bereits bei Blutsverwandten aufgetreten ist. Beides erfragen wir im Gespräch.

Wann MRT, Ultraschall oder CT sinnvoll sind

Bei anderen Erkrankungen werden oft ergänzende Untersuchungen durchgeführt – das ist auch beim Morbus Dupuytren möglich. Grundsätzlich eignen sich alle drei bildgebenden Verfahren, um die Veränderungen darzustellen: die Ultraschalluntersuchung, die Kernspintomographie (MRT) und – seltener, wegen der Strahlenbelastung – die Computertomographie (CT). In der Praxis kommen vor allem Ultraschall und MRT zum Einsatz.

Diese Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen: Sie können die Diagnose bestätigen, zeigen, ob sich die Erkrankung über die Zeit verändert (was für den Behandlungszeitpunkt wichtig ist), und sie machen sichtbar, ob die Stränge in kritischer Nähe zu Nerven oder Blutgefäßen verlaufen. Gerade vor einer perkutanen Nadelfasziotomie, bei der der Behandler keine direkte Sicht auf diese Strukturen hat, kann das hilfreich sein. Schließlich lässt sich damit auch der Erfolg einer Behandlung überprüfen.

Eine systematische Übersichtsarbeit, die die bis dahin veröffentlichten Studien zusammenfasst, kommt allerdings zu einem klaren Schluss: Für die routinemäßige Feststellung der Erkrankung sind solche apparativen Untersuchungen nicht erforderlich. Die MRT ist allein zur Bestimmung der Ausdehnung viel zu teuer. Untersuchungen zur Risikominderung bei minimalinvasiven Eingriffen sind zwar möglich, ein Nutzen ist bislang aber nicht belegt – die Risiken sind bei diesen Methoden ohnehin gering.  → BMC-Übersichtsarbeit

Das könnte sich künftig ändern. Sollten neue Behandlungsmethoden Operationen überflüssig machen, gewinnt womöglich der Ultraschall an Bedeutung – für Verlaufskontrollen ohne Strahlenbelastung und ohne große Kosten. Wer sich speziell für die Kernspintomographie interessiert, findet die Details im Beitrag MRT bei der Dupuytrenkrankheit.

Warum entnommenes Gewebe immer untersucht wird

Eine ergänzende Untersuchung sollte dagegen ausnahmslos erfolgen: Wird bei einer Operation Gewebe aus der Hand entfernt, geht dieses anschließend zum Pathologen, der es unter dem Mikroskop genauer prüft. Der Grund ist Vorsicht. In extrem seltenen Fällen – und dann typischerweise bei Kindern oder jungen Erwachsenen – kann sich hinter einer Veränderung eine bösartige Erkrankung verbergen; solche Einzelfälle sind in der Fachliteratur beschrieben. Die Wahrscheinlichkeit, dass unter der Haut der Hand etwas Bösartiges wächst, ist verglichen mit anderen Körperregionen jedoch außerordentlich gering. Nur wenn Sie feststellen, dass in relativ kurzer Zeit deutliche Veränderungen entstehen, wäre daran zu denken – dann wären eine Röntgenuntersuchung und weitere Abklärung erforderlich.

Ist es ein Versäumnis, wenn man auf Röntgen, Ultraschall, Kernspintomographie verzichtet? Manche Patienten sind ungläubig, wenn man sich nur aufgrund einer scheinbar oberflächlichen Untersuchung auf die Diagnose #Morbus Dupuytren festlegt.
Sehen Sie selbst, was es dazu an wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt!

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LITERATUR:
Broekstra DC et al.: Intra- and inter-observer agreement on diagnosis of Dupuytren disease, measurements of severity of contracture, and disease extent. Manual Therapy 20 (2015) 580-586
http://dx.doi.org/10.1016/j.math.2015.01.010

Molenkamp S. et al.:  Imaging for Dupuytren disease: a systematic review of the literature. BMC Musculoskeletal Disorders (2019) 20:224 
https://doi.org/10.1186/s12891-019-2606-0 

Erdmann MWH et al.: Epithelioid sarcoma masquerading as Dupuytren’s disease. Br. J. Plast. Surg. 48: 39-42 (1995) 

Romberg M et al.: Dupuytren's Disease in Children-Differential Diagnosis. J Pediatr Surg 37: E7. doin: 10.1053/jpsu.2002.31646 ☝️Morbus Dupuytren: eine einfache 🕵️‍♂️Diagnose?#gutlebenmitdupuytren

☝️Morbus Dupuytren: eine einfache 🕵️‍♂️Diagnose?#gutlebenmitdupuytren

Gut leben mit Dupuytren 15. April 2020 21:51

Dupuytren Diagnose – das Wichtigste in Kürze

Der erfahrene Arzt, insbesondere der Handchirurg, kann die Dupuytren Diagnose praktisch sicher stellen, ohne ergänzende Geräteuntersuchungen. Bildgebung mit Ultraschall, MRT oder CT ist möglich und in bestimmten Situationen sinnvoll – etwa zur Verlaufsbeurteilung oder zur Planung minimalinvasiver Eingriffe –, für die reine Diagnosestellung aber nicht nötig. Entnommenes Gewebe wird zur Sicherheit stets feingeweblich untersucht.