Lohnt das nächtliche Tragen einer Schiene nach einer Dupuytren‑Behandlung – oder ist es überflüssiger Aufwand? Die Frage nach der Schienenruhigstellung bei Dupuytren stellen mir viele Patienten. Eine ehrliche Antwort fällt differenzierter aus als ein einfaches Ja oder Nein. Ich zeige Ihnen, was die Studienlage sagt – und was die Erfahrung eines Patienten hinzufügt, den ich seit über zehn Jahren begleite.
Die kontrollierte Evidenz ist ernüchternder, als man erwartet. In der bislang größten randomisierten Studie nach offener Operation brachte eine routinemäßige Nachtschiene für alle Patienten gegenüber Handtherapie allein keinen messbaren Zusatznutzen bei Handfunktion, Streckung oder Zufriedenheit nach einem Jahr. Die Autoren empfehlen die Schiene deshalb nicht routinemäßig für jeden, sondern gezielt dort, wo erneut ein Streckdefizit auftritt. Insgesamt gilt die Datenlage zum Thema als von geringer Qualität und uneinheitlich. Eine Schiene ist also kein Muss für jeden – sondern eine Einzelfallentscheidung.
Wichtig ist die Rolle der Schiene richtig zu verstehen. Nachdem der Strang durchtrennt ist – bei diesem Patienten durch die perkutane Nadelfasziotomie, ganz ohne Hautschnitt – lässt sich der Finger wieder strecken. Eine ruhig stellende Nachtschiene hält ihn nachts in dieser Streckung, während das Gewebe zur Ruhe kommt. Sie soll ein erreichtes Ergebnis sichern, nicht erkranktes Gewebe gewaltsam geradeziehen. Das ist ein bedeutsamer Unterschied: Ein kräftiger, anhaltender Dauerzug auf noch aktives Gewebe kann dieses eher reizen als beruhigen – eine sanfte, statische Nachtlagerung ist etwas anderes.
Einer meiner Patienten bemerkte über rund zwanzig Jahre langsam zunehmende Veränderungen an Klein‑ und Ringfinger beider Hände. Eine Operation an der Handinnenfläche mit dem Skalpell wollte er lange vermeiden und schob den Eingriff hinaus, bis er kaum noch einen Handschuh überziehen konnte und der Handschlag ihm unangenehm wurde. Ich habe dann zuerst die rechte, vier Wochen später die linke Hand mit der Nadelfasziotomie behandelt; wenige Tage danach konnte er wieder im Garten arbeiten und Tennis spielen.
Meinen Rat, anschließend eine Nachtschiene zu tragen – mindestens vier bis sechs Monate, besser dauerhaft –, hat er konsequent umgesetzt: seit zehn Jahren nahezu jeden Abend, an beiden Händen. Die handschuhartigen Schienen lassen sich leicht überstreifen, drücken nicht und halten die drei am häufigsten betroffenen Finger im Schlaf gestreckt; Zeigefinger und Daumen bleiben frei, sodass Greifen und Alltag unbeeinträchtigt sind. Ergänzend öffnet und schließt er morgens einige Male die Hand. In diesen zehn Jahren ist keine erneute Erkrankung an den Fingern aufgetreten, die Funktion ist vollständig erhalten.
Ein einzelner Verlauf ist kein Beweis – wir können nicht sagen, dass allein die Schiene das Rezidiv verhindert hat. Er zeigt aber, dass die Maßnahme gering belastend ist und für einen motivierten Patienten ein sinnvoller Baustein sein kann, ein gutes Ergebnis zu sichern.
Für alle Patienten pauschal ist die nächtliche Schienenruhigstellung bei Dupuytren durch die Daten nicht gedeckt. Gezielt eingesetzt – bei Neigung zu erneuter Beugung oder bei dem Wunsch, ein gutes Resultat aktiv abzusichern – ist eine gut sitzende Nachtschiene jedoch risikoarm und kann sich lohnen. Die Entscheidung gehört individuell besprochen.
Allgemeine Hinweise zur Nachbehandlung finden Sie in einem eigenen Beitrag.
Fast noch wichtiger ist der Rat dieses Patienten: früh zum Arzt gehen und die Finger kontrollieren lassen – früh ist besser als zu spät.
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Gut leben mit Dupuytren 16. Mai 2020 13:41