Von 2005 bis 2023 habe ich als Chefarzt und zuletzt Direktor der Universitätsklinik für Plastische, Wiederherstellende und Handchirurgie am Klinikum Nürnberg sechzehn Nürnberger Frühjahrssymposien ausgerichtet. Jedes Nürnberger Frühjahrssymposium war als Fortbildung anerkannt und brachte Kolleginnen und Kollegen aus Klinik und Praxis, aus dem In- und Ausland zusammen.
Besonders wichtig war mir, vor allem in den ersten Jahren, alle vier Säulen der Plastischen Chirurgie abzubilden: die Rekonstruktive Chirurgie, die Ästhetische Chirurgie, die Handchirurgie und die Verbrennungsmedizin. Ergänzt wurde das Programm durch ein „besonderes Thema“, oft mit ethischem oder historischem Blick auf das Fach. Ab 2011 stand jedes Symposium unter einem eigenen Schwerpunkt. Eines blieb in all den Jahren gleich: Neben dem fachlichen Programm sollte der persönliche, kollegiale Austausch viel Raum haben, und jedes Symposium begann mit Musik.
Die Auftaktveranstaltung stellte die Klinik vor und zeigte die ganze Breite des Fachs, von der Behandlung Schwerbrandverletzter über die Handchirurgie bis zu rekonstruktiven und formenden Eingriffen. Eröffnet wurde sie mit einem Vortrag über die Plastische Chirurgie im Spannungsfeld von Geschichte und Ethik.
Als besonderes Thema standen angeborene Fehlbildungen der weiblichen Brust im Mittelpunkt. Die Handchirurgie widmete sich der Endoskopie bei Nervenkompressionen, der winkelstabilen Osteosynthese und der Replantationschirurgie.
Den Eröffnungsvortrag zu Entwicklung und Zukunft der modernen Plastischen Chirurgie hielt mein Lehrer Prof. Dr. Alfred Berger. Weitere Themen reichten von der Verbrennungsbehandlung in Nepal bis zur Reanimation des gelähmten Gesichts.
Unter der Frage „Ist das noch Medizin, die wir meinen?“ begann ein Programm, das unter anderem die Mikrochirurgie der Lymphgefäße und die Chirurgie des Plexus brachialis umfasste. Erstmals fand am Vortag ein praktischer Workshop zu modernen Osteosynthesen am Handskelett statt.
Schwerpunkt war die Behandlung Schwerbrandverletzter. Eröffnet wurde mit „Chirurgie zwischen Ökonomie und Ethik“; die Handchirurgie erinnerte an Sterling Bunnell, den Begründer der modernen Handchirurgie. Der Osteosynthese-Workshop wurde wiederholt.
Im Mittelpunkt stand die interdisziplinäre Versorgung Schwerbrandverletzter, von der Intensivmedizin bis zur Rehabilitation. Die Handchirurgie behandelte Radius- und Kahnbeinfrakturen, Handinfektionen und die kindliche Armplexusparese.
Erstmals konzentrierte sich ein ganzer Tag auf ein einziges Hauptthema, an einem neuen Veranstaltungsort im Zentrum Nürnbergs. Die Schirmherrschaft übernahmen vier Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie.
Kolleginnen und Kollegen berichteten von ihren Einsätzen in Indien, Tansania, Eritrea, Kirgisien und Nepal. Das Grußwort sprach Arno Hamburger, Zeitzeuge der Nürnberger Ärzteprozesse. Das Symposium zeigte eine Facette des Fachs, die in der öffentlichen Wahrnehmung der Plastischen Chirurgie oft zu kurz kommt.
Drei Sitzungen behandelten Hygiene und Ethik, Verbrennungen bei Kindern sowie Innovationen wie das enzymatische Debridement, vorgestellt von einem israelischen Pionier der Methode.
Zum Jubiläum kehrten die nach einer Befragung interessantesten Referentinnen und Referenten der vorangegangenen Jahre zurück. Leitgedanke war die Plastische Chirurgie als Querschnittsfach im Zusammenspiel mit ihren klinischen Partnern.
Das erste gemeinsame Symposium des neu gegründeten Zentrums für Verbrennungsbehandlung am Klinikum Nürnberg, getragen von Plastischer Chirurgie, Anästhesiologie und Kinderchirurgie. Das Programm spannte den Bogen von der Prävention bis zur Rekonstruktion.
Gemeinsam mit der Deutschen Dupuytren-Gesellschaft: ein Tag mit internationalen Referenten zur Entwicklung, zum Wissensstand und zur Zukunft der Dupuytren-Behandlung.
Zum Rückblick mit neun VortragsvideosDie Brustchirurgie in ihrer ganzen Breite: Rekonstruktion nach Brustkrebs, Formkorrekturen und Brustvergrößerung, im engen Zusammenspiel mit der Frauenheilkunde.
Pandemiebedingt als digitales Webinar: Das für 2020 geplante Symposium wurde mit allen damals geladenen Referentinnen und Referenten nachgeholt. Die Themen reichten vom Lipödem über Korrektureingriffe nach drastischem Gewichtsverlust bis zu Lipofilling und Lipolyse.
Wieder in Präsenz, gemeinsam geleitet mit Anke Wanninger: Carpuschirurgie, Endoprothetik an Hand und Handgelenk sowie Handchirurgie in jedem Lebensalter, mit Referentinnen und Referenten aus dem deutschsprachigen Raum. Zwei Vorträge galten dem Morbus Dupuytren, der Nadelfasziotomie und einer neuen enzymatischen Behandlungsoption.
Erstmals mit einer ausschließlich Nürnberger „Faculty“ aus verschiedenen Kliniken des Hauses. Es war das letzte Symposium der Reihe, die mit meinem Ausscheiden aus dem Klinikum 2024 endete.
Ein Nürnberger Frühjahrssymposium lebte von seinen Gästen. Allen, die oft weite Wege auf sich genommen haben, um ihr Wissen mit uns zu teilen, gilt mein herzlicher Dank.