Kribbeln in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, nachts eine eingeschlafene Hand: Diese Beschwerden deuten häufig auf ein Karpaltunnelsyndrom hin. Patienten mit Morbus Dupuytren fragen mich dann oft, ob beides zusammenhängt. Die kurze Antwort lautet: nein. Warum das so ist und was Sie bei einem Karpaltunnelsyndrom tun können, erkläre ich Ihnen hier.
Am Handmodell im Video sehen Sie, dass beide Krankheiten verschiedene, voneinander unabhängige Strukturen betreffen. Die Dupuytren-Krankheit spielt sich in der Hohlhandfaszie ab, einer Bindegewebsplatte direkt unter der Haut der Handfläche. Dort entstehen Knoten und Stränge. Die tiefer liegenden Beugesehnen, Muskeln, Gefäße und Nerven bleiben unbeteiligt.
Das Karpaltunnelsyndrom entsteht dagegen am Handgelenk, in einer tieferen Schicht. Beide Erkrankungen treten gelegentlich gemeinsam auf, etwa weil sie Risikofaktoren wie höheres Alter oder Diabetes teilen. Ein ursächlicher Zusammenhang besteht jedoch nicht. Ein weiterer praktischer Hinweis: Dupuytren verursacht in aller Regel kein Taubheitsgefühl. Wenn Ihre Finger kribbeln, steckt meist eine andere Ursache dahinter.
Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal an der Beugeseite des Handgelenks. Boden und Seitenwände bilden die Handwurzelknochen. Das Dach bildet ein straffes Band, das Karpaldach (Retinaculum flexorum). Es verhindert, dass die Beugesehnen beim Beugen von Handgelenk und Fingern unter die Haut rutschen.
Durch diesen Kanal verlaufen neun Beugesehnen und der Mittelnerv (Nervus medianus). Der Raum hat keine elastischen Anteile und kann sich nicht weiten. Nimmt das Gewebe darin an Umfang zu, etwa durch Schwellung der Sehnenscheiden, steigt der Druck. Leidtragender ist das empfindlichste Glied, der Nerv.
Der Mittelnerv versorgt das Gefühl von Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie der daumenseitigen Hälfte des Ringfingers. Genau dort bemerken Sie die Störung. Der kleine Finger bleibt ausgespart, weil er von einem anderen Nerv versorgt wird, der an anderer Stelle verläuft.
Im frühen Stadium treten die Beschwerden besonders nachts auf. Im Schlaf beugen viele Menschen das Handgelenk. Das engt den Nerv zusätzlich ein und stört seine Durchblutung. Sie wachen auf, die Hand ist eingeschlafen und kribbelt unangenehm. Ähnliches kann bei stark überstrecktem Handgelenk passieren, etwa beim Rad- oder Motorradfahren mit festem Griff am Lenker.
In der Schwangerschaft treten diese Beschwerden häufig auf. Nach der Entbindung verschwinden sie meist von selbst wieder.
Ob der Nerv bereits geschädigt ist, lässt sich durch eine neurologische Untersuchung feststellen, vor allem durch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Das Ergebnis entscheidet darüber, ob eine Operation notwendig ist. In frühen, leichten Fällen kann eine nächtliche Schiene, die das Handgelenk gerade hält, die Beschwerden lindern.
Einzelheiten entnehmen Sie der AWMF-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms“, Register-Nr. 005-003.
Bei einer relevanten Nervenschädigung hilft die Operation. Dabei wird das Karpaldach durchtrennt, sodass der Nerv sofort mehr Raum hat. In meiner Praxis erfolgt der Eingriff ambulant in WALANT-Technik („wide awake local anaesthesia no tourniquet“). Die örtliche Betäubung enthält einen Zusatz, der die Blutung vermindert. Deshalb sind weder eine Narkose noch eine Blutsperre am Oberarm nötig. Sie sind während des Eingriffs wach und gehen danach nach Hause.
Nach einigen Wochen Schonung ist die Wunde verheilt und die Hand wieder belastbar. Der Nerv braucht oft länger, um sich vollständig zu erholen.
Wer die Beschwerden über lange Zeit ignoriert, riskiert einen dauerhaften Nervenschaden. Dann ist unter Umständen keine vollständige Erholung mehr möglich. Lassen Sie anhaltendes Kribbeln oder Taubheit daher frühzeitig abklären.
Einen Überblick über die handchirurgischen Eingriffe, die ich neben der Dupuytren-Behandlung persönlich durchführe, finden Sie auf der Seite Handchirurgie in Nürnberg.
Karpaltunnelsyndrom (CTS) und☝️ Morbus Dupuytren #gutlebenmitdupuytren
Gut leben mit Dupuytren 27. Juli 2020 18:29