Dupuytren Prognose: Warum sich die Erkrankung kaum vorhersagen lässt

Kaum eine Frage bewegt Betroffene so sehr wie diese: Wie wird sich meine Hand entwickeln? Bei der Dupuytren Prognose muss ich Sie zunächst um Geduld bitten – denn einen für alle Patienten gleichen, gesetzmäßigen Ablauf gibt es nicht. Der Morbus Dupuytren folgt keiner festen Regel. Trotzdem lassen sich typische Muster beschreiben, und ebenso die Abweichungen davon, die jeweils ihre eigenen Besonderheiten haben.

Die frühen Zeichen bleiben oft lange unbemerkt

Die ersten Veränderungen sind nicht schmerzhaft und bleiben deshalb häufig lange unentdeckt. Typischerweise bemerken Betroffene eher zufällig, dass in der Handinnenfläche eine knotige Verhärtung entstanden ist – etwa dann, wenn ein Werkzeug kraftvoll umschlossen werden muss. Nicht selten bleibt die Erkrankung in diesem Stadium über viele Jahre unverändert. Ich sehe Patienten, bei denen sich über acht oder zehn Jahre hinweg nichts Wesentliches getan hat – und andere, bei denen der Befund vergleichsweise rasch voranschreitet. Genau diese Spannbreite ist der Grund, warum eine sichere Vorhersage nicht möglich ist.

Wenn die Erkrankung aktiv wird

Wird die Erkrankung aktiv, bildet sich in der Handinnenfläche eine Verhärtung der Faserplatte. Sie folgt den Verlaufsrichtungen der enthaltenen Bindegewebsfasern und richtet sich zur Mitte des Handgelenks aus. Es entstehen Stränge, in deren Verlauf weitere Knoten wachsen können. Oft ist dieses Geschehen auf einen einzigen Fingerstrahl beschränkt – am häufigsten auf den vierten Strahl, der aus der Mittelhand den Ringfinger erreicht. Schreitet die Erkrankung fort, kommt es zum Übertritt in die Finger. Auch dort tastet man zunächst knotige Veränderungen, aus denen später strangförmige Verhärtungen hervorgehen. Verbinden sich die Elemente von Innenhand und Fingern, wird mit zunehmendem Wachstum die Streckung der Fingergelenke behindert. Betroffen sein können das Grundgelenk, das Mittelgelenk oder beide zugleich.

Warum eine Dupuytren Prognose so schwierig ist

Hier liegt der Kern: Ob zuerst das Grundgelenk und später das Mittelgelenk betroffen ist oder umgekehrt, lässt sich nicht vorhersagen. Manchmal ist allein das Mittelgelenk beteiligt, ohne dass die Innenhand überhaupt erkrankt – dann finden sich Verhärtungen und Stränge nur im betroffenen Finger. Dass alle Finger erfasst werden, ist selten und nicht typisch; weit häufiger konzentriert sich die Erkrankung auf Ring- und Kleinfinger. Wenn Sie mich fragen: „Wann wird meine Hand so aussehen?“, dann kann ich das nicht seriös beantworten. Die Erkrankung entwickelt sich eben nicht regelhaft und gesetzmäßig – und deshalb sind belastbare Einzelprognosen nicht möglich. Was sich über größere Patientengruppen im Mittel sagen lässt, habe ich gesondert zum natürlichen Verlauf der Dupuytren-Krankheit zusammengetragen.

Die aggressive Sonderform: Dupuytren-Diathese

Bei einer kleinen Gruppe von Patienten verhält es sich anders. Hier tritt die Erkrankung deutlich früher auf – nicht erst mit etwa 45 bis 50 Jahren (bei Frauen im Mittel rund zehn Jahre später), sondern bereits im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Sie beschränkt sich nicht auf eine Hand, befällt häufig auch die Streckseite über den Mittelgelenken (Knöchelpolster) und nicht selten die Füße (Morbus Ledderhose). Bei diesen Patienten schreitet die Erkrankung besonders rasch voran und erfasst typischerweise alle Finger. Für diese ungünstig verlaufende Sonderform haben Chirurgen den Begriff Diathese geprägt; das Ausmaß der Diathese gilt als wichtiger Anhaltspunkt für das  Rückfall- und Ausbreitungsrisiko. Warum die Erkrankung in jungen Jahren besonders ernst zu nehmen ist, lesen Sie gesondert.

Was die unsichere Krankheitsprognose für Sie bedeutet

Die gute Nachricht: Die Diagnose lässt sich schon früh stellen. Die ehrliche Nachricht: Eine Aussage darüber, wie sich Ihre Erkrankung weiterentwickeln wird, ist nicht seriös möglich. Für Sie heißt das weniger Anlass zur Sorge um ferne Szenarien – und mehr Grund, den aktuellen Befund fachkundig einordnen zu lassen. Wann eine Behandlung sinnvoll ist und welche Verfahren infrage kommen, hängt vom individuellen Befund ab; einen Überblick finden Sie im Ratgeber zum Morbus Dupuytren.