Morbus Dupuytren: Wann muss ich zum Arzt?

Viele Menschen mit Morbus Dupuytren fragen sich, ob sie mit dieser Erkrankung wirklich zum Arzt müssen – oder ob es elegantere Wege gibt, einen gebeugten Finger wieder gerade zu bekommen. Die Frage ist berechtigt. Bevor Sie einen Termin vereinbaren, hilft es zu wissen, was Sie selbst tun können, was davon belegt ist und ab wann eine ärztliche Einschätzung tatsächlich sinnvoll wird.

Was Sie im Internet finden – und was davon hilft

Bevor sie ärztlichen Rat suchen, versuchen viele Betroffene zunächst, im Internet eine Lösung zu finden. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie einfallsreich Patienten dabei sind – manche bauen sich zum Beispiel eigene Schienen, um ihre Finger beweglicher zu halten.

Bei aller Kreativität ist hier ein Hinweis wichtig: Anhaltender Zug und kräftiges Dehnen können das erkrankte Gewebe eher reizen als beruhigen. Eine kontrollierte Streckbehandlung ist ein eigenes, ärztlich begleitetes Thema – von selbst gebauten Dauerzug-Konstruktionen rate ich ab. Warum das so ist, lesen Sie im Beitrag Finger dehnen bei Morbus Dupuytren – sinnvoll oder gefährlich?

Auch sonst gilt: Viele Versuche, eine Behandlung zu umgehen, sind bislang gescheitert. Vitamine haben sich ebenso wenig bewährt wie Laser oder Ultraschall; derzeit wird zudem die traditionelle chinesische Medizin beworben, überzeugende Belege dafür stehen aus. Der Grund ist ein grundsätzlicher: In der modernen Medizin gilt eine Methode erst dann als gesichert, wenn sie sich in kontrollierten Studien mit klaren Vorgaben und Vergleichsgruppen bewährt hat. Evidenz bedeutet Beweis, nicht bloße Behauptung. Einzelne Beobachtungen können durchaus bedeutsam sein und stehen oft am Anfang einer Entwicklung – sie gelten aber als schwache Evidenz und noch nicht als bewiesene Tatsache. Gerade für den Morbus Dupuytren gibt es solche hochwertigen Studien bislang nur spärlich.

Warum es (noch) keine Tablette gegen Dupuytren gibt

Interessant ist, dass große Forschungszentren in Großbritannien und den USA seit Jahren an medikamentösen Behandlungen arbeiten. Das erklärte Ziel ist, den Verlauf der Erkrankung eines Tages aufzuhalten – dann bräuchte es keine Operationen mehr. Dass so etwas gelingen kann, zeigt das Beispiel Rheuma: Vor 30 Jahren mussten wir Menschen mit rheumatischen Handproblemen regelmäßig operieren, weil nur wenige Medikamente zur Verfügung standen. Heute lassen sich diese Spätfolgen medikamentös weitgehend verhindern.

So weit ist es beim Morbus Dupuytren noch nicht. Die Enzymbehandlung (Kollagenase), die früher als Alternative zur Operation galt, ist in Europa derzeit nicht verfügbar. Bis wirksame Medikamente bereitstehen, bleibt die Erkrankung ein Fall für die ärztliche Beurteilung.

Wann Sie mit Morbus Dupuytren zum Arzt sollten

Nicht jeder Knoten in der Hohlhand muss sofort behandelt werden. Ein tastbarer Knoten, ohne dass sich der Finger beugt, lässt sich zunächst in Ruhe beobachten. Sinnvoll wird eine Untersuchung, sobald ein Strang den Finger zunehmend krümmt und Sie ihn nicht mehr vollständig strecken können. Einen einfachen Selbsttest können Sie zu Hause machen: Legen Sie die Hand flach auf einen Tisch. Bleibt ein Finger abgehoben – der sogenannte Tisch-Test –, sollten Sie sich vorstellen. Das Gleiche gilt, wenn die Beugung rasch zunimmt oder Sie im Alltag behindert, etwa beim Händeschütteln, Greifen oder Anziehen von Handschuhen.

Die erste Anlaufstelle ist in der Regel Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt. Für die weitere Einschätzung sind ein Handchirurg oder eine auf die Erkrankung spezialisierte Praxis die richtigen Ansprechpartner – denn Behandlungsweg und Erfolg hängen stark vom Stadium ab.

Muss man mit einem #Morbus_Dupuytren wirklich immer zum Arzt, oder gibt es auch seriöse Alternativen? Darum geht es in diesem Clip. 

Ich kenne wirklich niemanden, der begeistert ist, wenn er eine Operation machen lassen muss. Es ist viel normaler, das hinauszuzögern und zu überlegen, ob man das vielleicht ganz verhindern kann.
Manche Leute warten dann sehr lang und ertragen immer stärkere Verkrümmungen und Fehlstellungen, bis eine Operation kaum noch möglich ist. Das ist sicher nicht ideal.
Andere erfinden gleich selbst neue Methoden, oder Hilfsmittel. Das kann sehr interessant sein.
Und immer wieder kommen Gerüchte auf, dass die Finger von dieser oder jener schonenden Methode profitieren und wieder besser streckbar werden.
Leider hat sich das bislang nicht bewahrheitet, jedenfalls nicht, wenn man die Maßstäbe für kontrollierte Studien anlegt.
Die #Morbus_Dupuytren_Behandlung ist noch immer nicht kurativ möglich, obwohl seit einigen Jahren intensiv daran geforscht wird. Vielleicht ist es eines Tages möglich, die Behinderungen durch Fingerverkrümmung durch Medikamente zu verhindern. Beim Rheuma hat die Medizin das ja auch geschafft.
Aber bislang sind die Patienten eben doch weiterhin auf eine ärztliche, hauptsächlich eine handchirurgische Behandlung angewiesen. Das sind übrigens Experten, die zusätzlich zu ihrer normalen Facharztweiterbildung eine dreijährige Spezialausbildung durchlaufen haben. Nur deshalb dürfen sie sich als Handchirurgen bezeichnen. 
Also: nicht jeder Arzt, der Hände operiert, ist auch ein Handchirurg.
Handchirurgen in Ihrer Nähe finden Sie auf den Webseiten der Fachgesellschaft:
https://www.dg-h.de
Und wenn Sie sich für  #Morbus_Dupuytren_alternative_Behandlung
interessieren, schauen Sie auf die Seiten der "Deutschen Dupuytren-Gesellschaft": www.dupuytren-online.de
Dort sind für alle aktuell praktizierten Methoden Behandler aufgelistet.

Musik: https://www.epidemicsound.com
Fotos: https://unsplash.com ☝️ Morbus Dupuytren Behandlung: immer nur beim Arzt 👨‍⚕️ 🩺? #gutlebenmitdupuytren

☝️ Morbus Dupuytren Behandlung: immer nur beim Arzt 👨‍⚕️ 🩺? #gutlebenmitdupuytren

Gut leben mit Dupuytren 29. März 2020 16:31

So finden Sie einen Spezialisten – auch aus der Ferne

Auf den Seiten der Deutschen Dupuytren-Gesellschaft finden Sie Informationen zu allen Behandlungsmöglichkeiten sowie Listen mit Behandlern. Dabei fällt auf, dass manche Ärzte an Kliniken arbeiten und andere in einer Praxis – das ist nicht unwichtig, weil nicht jede Einrichtung jedes Verfahren anbietet.

Weil viele meiner Patienten überregional oder aus dem Ausland kommen, biete ich zusätzlich eine Videosprechstunde an. So lässt sich ortsunabhängig klären, ob und welche Behandlung für Sie infrage kommt, bevor Sie eine Anreise auf sich nehmen.

Zusammengefasst: Vieles, was gegen den Morbus Dupuytren kursiert, ist nicht belegt – und die medikamentöse Behandlung ist noch Zukunftsmusik. Solange sich Ihr Finger beugt und Sie die Hand nicht mehr flach auflegen können, ist der Gang zum spezialisierten Arzt der verlässlichste Weg. Einen Überblick über die Erkrankung und alle Behandlungswege finden Sie auf unserer Seite Morbus Dupuytren.