Bei oberflächlich gelegenen Kontraktursträngen, die noch mit intakter Haut bedeckt sind, lässt sich eine besondere Form der Nadelfasziotomie einsetzen: Statt die Nadel nur senkrecht einzustechen, führt der erfahrene Operateur die geschliffene Spitze der Kanüle wie eine feine Klinge. Diese schneidende Variante der PNF ist kein eigenes Verfahren, sondern eine Verfeinerung der perkutanen Nadelfasziotomie an der richtigen Stelle.

Perforieren oder schneiden: der feine Unterschied

Viele Beschreibungen erwecken den Eindruck, die Nadel werde bei der Nadelfasziotomie ausschließlich senkrecht eingestochen und perforiere den Strang so lange, bis er nachgibt. Das ist eine Verkürzung. In der von Charles Eaton standardisierten Technik wird die feine Nadel bewusst wie ein winziges Skalpell benutzt – gutes Vorgehen kombiniert das senkrechte Stechen mit einer schneidenden Bewegung. Führt man die geschliffene Kanülenspitze in einer leichten Hin-und-Her-Bewegung, werden die Fasern nicht nur perforiert, sondern regelrecht durchtrennt. Dass die Bevel-Kante einer 25-Gauge-Nadel tatsächlich eine echte Schneide ist, zeigen die mikroskopischen Aufnahmen: Die Klingenfläche ist nur Bruchteile eines Millimeters groß und trotzdem scharf genug, um Bindegewebe sauber zu teilen.

Warum die schneidende Variante der PNF Zeit spart

An der passenden Lokalisation ist dieses Vorgehen sinnvoll, weil sich der Eingriff dadurch spürbar beschleunigt: Der Strang gibt schneller nach, ohne dass zahlreiche zusätzliche Einstiche nötig werden. Ist die Schneide scharf, teilt sie das Gewebe klar; stumpft sie ab, spürt der Operateur einen gummigen Widerstand – dann gehört eine frische Nadel her. Historisch schließt sich hier übrigens ein Kreis: Die ersten perkutanen Behandlungen der Dupuytren-Kontraktur im 19. Jahrhundert erfolgten mit feinen Skalpellen durch winzige Hautstiche. Erst in den 1970er-Jahren ersetzte der französische Rheumatologe Jean-Luc Lermusiaux das Skalpell durch eine dünne Nadel – das ermöglichte die punktgenaue örtliche Betäubung und senkte das Risiko für Nerven- und Sehnenverletzungen erheblich. Die schneidende Wirkung ist also alt; die Nadel hat sie sicher gemacht.

Wo Vorsicht geboten ist bei der schneidenden Variante der PNF

Die schneidende Technik gehört ausschließlich in erfahrene Hände. In Bereichen, in denen Nerven, Gefäße oder Sehnen besonders exponiert liegen, darf sie nicht angewandt werden, weil diese verletzt werden könnten. Gerade weil hier mit einer schneidenden Bewegung gearbeitet wird, entscheidet die genaue Kenntnis der Anatomie – welcher Strang wo verläuft, wo Nerven ausweichen – über die Sicherheit des Eingriffs.

Schneidende Variante der PNF: geschliffene Kanülenspitze unter dem Mikroskop

Bei oberflächlich gelegenen Kontraktursträngen, die noch mit intakter Haut bedeckt sind, kann eine Variante der Nadelfasziotomie angewandt werden, bei der die geschliffene Spitze der Kanüle wie eine kleine Klinge genutzt wird.

Diese mikroskopischen Aufnahmen (CC BY 4.0) stammen von Dr. André Lampe, der u.a. den Wissenschaftsblog „die kleinen Dinge“ betreibt.