Ist Dupuytren gefährlich? Warum die Krankheit die Lebenszeit nicht verkürzt

Vor einiger Zeit saß mir eine Patientin gegenüber, die eine Frage mitbrachte, die ich so noch nie gehört hatte: Sie hatte im Internet gelesen, dass Menschen mit der Dupuytren-Krankheit früher sterben. Die Frage, die dahintersteht, beschäftigt viele Betroffene, sobald sie zu recherchieren beginnen: Ist Dupuytren gefährlich – kostet mich diese Erkrankung womöglich Lebenszeit? Die kurze Antwort vorweg: Nach heutigem Kenntnisstand nicht. Warum das so ist und woher die alte Sorge stammt, erkläre ich Ihnen hier – gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Mike Rüttermann aus Oldenburg, einem international ausgewiesenen Experten für diese Erkrankung, mit dem ich genau darüber gesprochen habe.

Woher die Sorge vor einer verkürzten Lebenszeit stammt

Die Behauptung ist nicht frei erfunden – sie wurde tatsächlich einmal so veröffentlicht und steht bis heute im Netz. Ältere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass die Sterblichkeit bei Dupuytren-Patienten erhöht sei. Der entscheidende Punkt ist aber, welche Patienten dort betrachtet wurden. Wenn eine hochspezialisierte Klinik ihre eigenen, oft schwerer erkrankten Patienten auswertet, entsteht ein anderes Bild als in einer Praxis mit einem Querschnitt aller Betroffenen. Die Stichprobe prägt das Ergebnis. Hinzu kommt ein zweites Problem: Menschen mit Dupuytren haben häufiger auch Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden, oder sie rauchen. Ältere Studien konnten oft nicht sauber trennen, ob eine höhere Sterblichkeit an der Dupuytren-Krankheit selbst lag – oder am Zucker, am Herzen, am Gewicht, am Rauchen.

Ist Dupuytren gefährlich? Was eine aktuelle Studie zeigt

Genau hier setzt eine neuere, methodisch deutlich stärkere Untersuchung an. Sie nutzt ein Verfahren, das man sich wie die Suche nach einem statistischen Zwillingsbruder vorstellen kann: Jeder Patient mit Dupuytren wird mit mehreren Vergleichspersonen ohne die Erkrankung gepaart, die in allem Wesentlichen gleichen – gleiches Alter, gleiches Geschlecht, vergleichbares Gewicht, dieselben Begleiterkrankungen, gleiches Rauchverhalten. So lässt sich herausfiltern, was wirklich auf die Dupuytren-Krankheit zurückgeht und was auf die Begleitumstände. In dieser Studie wurde jeder Betroffene mit sieben solchen Vergleichspersonen abgeglichen, insgesamt aus einer Bevölkerungsdatenbank von rund 210.000 Menschen. Das Ergebnis über einen Zeitraum von fünf Jahren: Die Sterblichkeit der Dupuytren-Patienten war nicht erhöht – sie war sogar etwas geringer als in der Vergleichsgruppe. Auch bei Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte sich kein Nachteil.

Was das für Sie bedeutet

Ehrlich bleiben gehört dazu: Diese Studie hat einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht. Das heißt nicht, dass die Aussage nur fünf Jahre gilt – aber gesichert sagen können wir es eben für diese fünf Jahre. Wie es über sehr lange Zeiträume aussieht, wird erst die weitere Forschung zeigen. Für Ihre Situation ändert das jedoch wenig an der Kernbotschaft. Die Dupuytren-Krankheit ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes der Hand. Sie ist kein Krebs, und sie ist nach allem, was wir heute wissen, keine Bedrohung für Ihre Lebenszeit. Worum es bei Dupuytren geht, ist die Funktion Ihrer Hand – ob und wann sich ein Strang so weit zusammenzieht, dass er Sie im Alltag stört. Das ist der eigentliche Grund, sich damit zu beschäftigen, und es ist ein gut behandelbares Thema.

Einen vollständigen Überblick über die Erkrankung, ihre Entstehung und die Behandlungswege finden Sie auf meiner Übersichtsseite zur Dupuytren-Krankheit. Die hier besprochenen Erkenntnisse hat Dr. Rüttermann auch im Newsletter der Deutschen Dupuytren-Gesellschaft zusammengefasst.