Morbus Dupuytren: Welche Therapie in welchem Stadium?

Immer wieder werde ich gefragt, wie man den Morbus Dupuytren am besten behandelt – und wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Eine einfache Antwort gibt es nicht, denn die Erkrankung tritt in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Einen verbindlichen Standard, an dem man sich Schritt für Schritt entlanghangeln könnte, gibt es nicht – nur allgemeine Empfehlungen. Welche Therapie beim Dupuytren sinnvoll ist, hängt deshalb vor allem vom Stadium und vom Grad der Beeinträchtigung ab. Im Folgenden stelle ich Ihnen meinen persönlichen Behandlungsalgorithmus vor.

Vom Knoten zum Strang – wie das Stadium den Zeitpunkt bestimmt

Am Anfang steht nur der Knoten. Ein solcher Knoten ist im Grunde ein Schönheitsfehler – nicht bedrohlich und vor allem kein sicherer Vorbote einer späteren Verschlimmerung. Bei vielen Menschen bleibt das Knotenstadium über Jahre konstant. Es muss nicht behandelt werden.

Erst wenn sich ein Strang gebildet hat, der sich unter der Haut abzeichnet, kommt es zur funktionellen Beeinträchtigung: Der Finger lässt sich nicht mehr vollständig strecken. Jetzt sollte eine Behandlung bedacht werden. Als einschneidende Maßnahme gilt ein Streckdefizit ab etwa 45 Grad – eine Nadelfasziotomie kann durchaus schon in früheren Stadien sinnvoll sein. Zu beachten sind außerdem Folgeschäden an Gelenken, die zunächst gar nicht erkrankt sind, bei lang dauernder Fehlstellung aber eigene Probleme bereiten. Ein besonderer Fall ist stets das Rezidiv – wenn die Erkrankung an einer bereits operierten Hand zurückkehrt.

Die Methoden – und in welchem Stadium sie passen

Strahlentherapie. Sie kommt im Knotenstadium infrage, solange keine wesentliche Streckblockade vorliegt – die Kollegen behandeln in der Regel nicht mehr, wenn mehr als etwa 10 Grad Streckdefizit überschritten sind. Entscheidend ist, dass Sie den Eindruck haben, die Erkrankung habe sich in kurzer Zeit verändert. Die Bestrahlung kann den Fortschritt verzögern oder aufhalten, das bereits Bestehende aber nicht rückgängig machen.

Perkutane Nadelfasziotomie (PNF). Das erkrankte Gewebe verbleibt in der Hand, der Strang wird durchtrennt, sodass der Finger wieder beweglicher ist. Für viele Patienten ist das angenehm, weil Behandlungs- und Erholungszeit kurz sind. Die PNF eignet sich vor allem, wenn der Strang zart und gut abgrenzbar ist – weniger entscheidend ist die Gelenkstellung, weshalb sie gelegentlich auch in fortgeschrittenen Stadien Sinn ergibt. Wann der Zeitpunkt für die Nadelung optimal ist, habe ich in einem eigenen Beitrag ausführlich beschrieben.

Kollagenase. Das Prinzip ähnelt der PNF: Ein Enzym löst das Stranggewebe auf, anschließend wird der Finger aus seiner Blockade befreit. In Europa ist diese Behandlung derzeit nicht verfügbar – vielleicht steht sie uns eines Tages wieder zur Verfügung.

Die Operation (Fasziektomie). Hier wird das erkrankte Gewebe herausgeschnitten, während das wertvolle Funktionsgewebe und die Nerven geschont werden. Sie bedeutet den größten Eingriff, hat aber die besten Langzeitergebnisse – gemessen daran, wie lange Patienten ohne weitere Krankheitserscheinungen bleiben. Ihre große Bedeutung hat sie in den fortgeschrittenen Stadien; in ganz frühen Stadien würde man daran noch nicht denken.

Komplexere Eingriffe. Dazu zählen seltenere ergänzende Maßnahmen, etwa das schrittweise Aufrichten eines stark gekrümmten Fingers mit einem äußeren Fixateur.

Mein Behandlungsalgorithmus: Therapie nach Stadium

Kurz zusammengefasst, wie ich es mit meinen Patientinnen und Patienten bespreche: Ein Knotenstadium muss nicht behandelt werden – viele Menschen entwickeln nie eine schwerere Form. Zeigt sich jedoch eine Dynamik, nimmt eine Verhärtung innerhalb weniger Monate deutlich zu, ist das ein Thema für die Strahlentherapie. Einfache Einschränkungen an Grund- und Mittelgelenken müssen nicht zwingend operiert werden; hier ist die Nadelfasziotomieoft eine gute Lösung, ohne offene Wunden und Narben. Die Operation schließlich bedeutet den größten Einschnitt, bietet aber die besten Ergebnisse und ist im fortgeschrittenen Stadium die tragende Säule. Eine Orientierung, welches Verfahren zu Ihrer Situation passt, gibt auch meine Entscheidungshilfe sowie der direkte Vergleich von OP, Nadel und Spritze.

Aufwand, Nachbehandlung und Heilungsdauer

Ideal ist, wenn ein Eingriff in kleiner Besetzung und möglichst ambulant gelöst werden kann. Eine stationäre Behandlung ist manchmal unvermeidlich – etwa bei relevanten Vorerkrankungen, bei besonders ausgedehnten Eingriffen an mehreren Fingern gleichzeitig oder wenn mikrochirurgische Schritte nötig sind. Ebenso wichtig ist die Nachbehandlung: Sie brauchen die richtige Begleitung in der Zeit nach dem Eingriff, damit das Ergebnis ideal wird. Die Heilungsdauer ist sehr unterschiedlich – nach einer Nadelfasziotomie genügen wenige Tage, nach komplexeren Eingriffen kann es im Einzelfall Monate dauern.

Wer Sie auf dem Weg begleitet

An erster Stelle steht die Hausärztin oder der Hausarzt – sie erkennen nicht nur die Erkrankung, sondern denken auch an andere Veränderungen an der Hand und kennen die Fachleute der Region. Dazu gehören die Strahlentherapeuten, spezialisierte Handtherapeutinnen und Handtherapeuten sowie am Ende die Handchirurgin oder der Handchirurg, mit denen Sie die operativen und interventionellen Schritte besprechen.

Alles hat seine Vor- und Nachteile – und alles muss individuell besprochen und entschieden werden. Einen Überblick über das gesamte Krankheitsbild finden Sie auf der Seite Morbus Dupuytren.